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Die Entwicklung des Stadtrates vor 1800 und die Ratseide von 1475 und 1641

Das Bild zeigt den Rathausbalkon am historischen Rathaus in Bad Münstereifel

Die Anfänge

Der Rat der Stadt Münstereifel entwickelte sich aus der Gerichtsbarkeit. Bereits 1171 ist ein Schöffenkolleg nachweisbar, dem 1197 die Ausübung der Marktgerichtsbarkeit übertragen wurde. Die sieben Schöffen, die sich aus dem Stand der Kaufleute rekrutierten, nahmen für sich in Anspruch, die Einwohner nach außen hin zu repräsentieren. Noch im 13. Jahrhundert wurde Münstereifel aus dem Lehensverband der Abtei Prüm heraus gelöst. Es kam zum Land Jülich, dessen Mithauptstadt es seit der Mitte des 14. Jahrhunderts war. Weil die Münstereifeler mit der Vertretung durch die sieben Schöffen zunehmend unzufrieden waren, wurden den Schöffen zunächst zwei Ratsfreunde zur Seite gestellt, wenn über die Belange der Stadt beraten wurde. Aber auch diese Zwischenlösung war noch nicht für alle zufriedenstellend. So erließen Herzog Gerhard von Jülich und Herr Gerhard von Loen als Landesherren am 10. November 1454 eine Verfassung für den Rat seiner Mithauptstadt Münstereifel.

Die Ratsverfassung von 1454

Vorbild der Münstereifeler Ratsverfassung war die Verfassung des Rates der Stadt Jülich.

Der Rat der Stadt Münstereifel wurde 1454 um fünf „geschworene Ratsfreunde“ genannte Ratsherren erweitert. Nunmehr gehörten dem Rat je sieben Schöffen und sieben Ratsfreunde an und er bestand aus 14 Personen. Aus deren Mitte wurde einmal jährlich – zu St. Cosmas und Damian, dem 27. September – der Bürgermeister gewählt. Er trat sein Amt jeweils am Sonntag vor dem St. Martinstag (11. November) an.

Ratsmitglied war man auf Lebenszeit. Nur durch dauerhafte Krankheit, Wegzug oder Tod eines Ratsherrn konnte dessen Stelle frei werden. Die edlere Gruppe im Rat bildeten nach wie vor die sieben Schöffen. Das lässt sich auch dadurch belegen, weil die Rechtsgeschäfte der Stadt seit dem 14. Jahrhundert mit dem Schöffensiegel beglaubigt wurden. Noch 1555 schuf man ein neues Schöffensiegel; erst 1632 bekam der Rat ein eigenes Siegel. Ein Stadtsiegel ist sogar erst seit 1666 belegt.

Starb ein Schöffe, so machten die übrigen Schöffen einen Vorschlag für die Neubesetzung des frei gewordenen Schöffenstuhls. Über die Annahme des neuen Schöffen entschied dann der Landesherr oder der Amtmann als dessen Stellvertreter vor Ort. Über die Neubesetzung eines Ratsfreundsstuhls entschieden die Ratsmitglieder in Eigenverantwortung.

Vereidigt wurden die Ratsmitglieder auf den jeweiligen Bürgermeister. Wenn er den Rat einberief, hatten die Ratsmitglieder dem Folge zu leisten. Wer verhindert war, musste sein Fernbleiben begründen und entschuldigen. Der Rat setzte die Höhe der allgemeinen Steuern (Schatz) und der Warenverbrauchssteuern (Akzise) fest. Über Aufträge bzw. Ausgaben im Werte von bis acht Gulden durfte der Bürgermeister alleine entscheiden. Überstieg das Finanzvolumen acht Gulden, so lag die Entscheidung beim Stadtrat. Die Entscheidungen wurden nach dem Mehrheitsprinzip getroffen.

Bei Problemen, zu deren Lösung die Ratsverfassung nichts vorgab, sollten die Schöffen und Ratsfreunde nach einer gemeinsamen Lösung suchen. Wurde keine Lösung gefunden, so sollte man sich an den Stadtrat von Jülich um Hilfe wenden.

Der Ratseid von 1475.

Die Formulierung der „geschworenen Ratsfreunde“ weist bereits darauf hin, dass die Ratsmitglieder vereidigt wurden. Die 1454 erlassene Ratsverfassung sah eine Vereidigung auf den Bürgermeister vor. Dem Landesherrn schien das aber schon bald nicht mehr zu genügen. Mit einer im Stadtarchiv Bad Münstereifel aufbewahrten Privilegienurkunde vom 8. Oktober 1475 wurde bereits 21 Jahre nach dem Erlass der Ratsverfassung eine neue Eidesformel verpflichtend vorgegeben. Dort heißt es in den Zeilen 6-11:

Ich, myt namen genant - wie hey dan heyscht etc -, sall van desen dage vortan

7        truwe ind hoult syn unsen genedigen heren des lantz van Guylge ind yren genaden landen. Ind sall achter desen dage vortan setzen ind volvueren helpen die

8        ere Gotz, Marien, synre liever moider, ind alre liever heilgen ind ein gemeyn best der stat Munster. Ind ich en sall des nyet laissen umb lieff noch umb leit, umb gelt

9        noch umb mede, umb voirte noch umb ampste, noch umb geyncherleye sachen, die mich da van halden muchten. Vort sall ich altzijt gehorsam syn eyme burger-

10       meister zertzijt in Munstereyffell, so dick ind mannichwerff hey des behoifft ind van myr begert, van der stat wegen darbij zo komen ind dat gemeyne beste zo

11       raiden na mynen besten synnen, ayn argelist.

Im Gegensatz zur Ratsverfassung von 1454 wurde mit dem Ratseid 1475 das Ratsmitglied nicht mehr auf den Bürgermeister, sondern auf den Herzog von Jülich als Landesherrn vereidigt.

Erst 1641 wurde die Eidesformel modifiziert. Im „Rothen Buch“ ist sie auf S. 41 mit ihrem Wortlaut erhalten geblieben:

Rhattsaydt

1          Ich, N. N., sall von diesem taghe vorttahn trew und holtt sein

2          unserem gnedigsten landtsfurstenn und herrn, herzog zu Gulich,

3          Chleve unnd Berg p. unnd ihrer furstlichen durchlaucht landt. Und sall achter

4          diesen tagh vorttahn setzen und vollfhuren helffen die eher

5          Gottes, Mariae, seiner lieben motter und aller lieben heyligen

6          und ein gemein best der statt Munster. Und ich soll das nit laßen

7          umb lief noch umb leidt, umb gelt noch umb müde, umb forcht

8          noch umb angst, noch umb geinerley sachen, wie die mich davon

9          halten mochten. Vortt soll ich alle zeit gehorsamb sein einem

10       burgermeister zur zeit in Munstereiffell, so dick und manch=

11       weerf er es behofft und von mir begert, von der statt wegen

12       darbey zu kommen und das gemein beste zu rathen nach meinem

13       besten sinnen, und alle rattsconclusa und secreta nehemant

14       offenbaren, ohne gefehert und argelist, so wahr mir Gott

15       helff und sein heyliges evangelium p.

Extrahirt aus einem original furstlichen

privilegio, den 25. Novembris 1641.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Allen drei Eidesformeln ist die Anrufung Gottes, der Gottesmutter Maria und aller lieben Heiligen gemeinsam. Stets sollen die Ratsherren das Gemeinwohl der Stadt Münstereifel beraten. Davon sollen sie nicht abweichen, auch nicht für geldwerte oder anders geartete Vorteilen und auch nicht um Ämter willen.

Dem jeweils amtierenden Bürgermeister sollen die Ratsherren gehorsam sein und ihm folgen, wenn er den Stadtrat einberuft.

Die Verpflichtung, dem Herzog von Jülich als Landesherrn treu und hold zu sein, findet erst in die Eidesformeln ab 1475 Eingang.

Der Eid von 1641 verpflichtet die Ratsherren erstmals zur Verschwiegenheit. Die Rattsconclusa (Ratsbeschlüsse) und die secreta (Geheimnisse) sollen an niemanden weitergegeben werden.

Der Ratseid von 1641 wurde 1925 in der postum erschienenen Volkstümlichen Geschichte der Stadt Münstereifel von Karl Hürten erstmals gedruckt. Bei der Drucklegung unterlief ein Zahlendreher: Statt auf 1641 wurde der Eid auf 1614 datiert. Dies führte in der jüngeren Literatur dazu, in diesem Eid einen Beleg für die Konfessionalisierung in Münstereifel zu Beginn des 17. Jahrhunderts zu erblicken. Dabei berief man sich auch auf die angeblich erstmalige Anrufung der Gottesmutter Maria in der Eidesformel. Wie gezeigt werden konnte, ist die Anrufung Mariens schon in den beiden Eidesformeln von 1454 und von 1475 enthalten.

Der Prozess des Konfessionalisierung Münstereifels zu Beginn des 17. Jahrhunderts spiegelt sich im Umbau der Stadt von einem Fernhandelsort zu einer Festung des Katholizismus. Der Rat der Stadt baute Münstereifel gezielt zu einem Zentrum der Gegenreformation aus – das ist nicht von der Hand zu weisen. Es lässt sich jedoch die Eidesformel von 1641 gerade nicht als Beleg für diesen Vorgang heranziehen.

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