Die Flutkatastrophe vom Juli 2021 hat die Sicht auf viele Dinge verändert. Auch der Hochwasserschutz wurde überdacht. Seit der Flut beschäftigt sich die Stadtverwaltung verstärkt mit der Frage, wie Bad Münstereifel und seine Orte möglichst gut vor Wassermassen bewahrt werden können. Zentrales Element ist das Hochwasserschutzkonzept, das die Stadtwerke seit Mitte 2023 gemeinsam mit der Okeanos Solutions GmbH aufgestellt haben. Auch die Beobachtungen und Ideen der Bürgerinnen und Bürger waren gefragt und wurden teilweise in das Konzept eingearbeitet. Daraus wurden für das gesamte Stadtgebiet 17 bauliche, aufeinander abgestimmte Maßnahmen entwickelt. Allerdings wäre die Umsetzung der Maßnahmen mit den finanziellen Möglichkeiten des städtischen Haushalts nicht möglich. „Deshalb sind wir sehr froh, dass das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen unseren Förderantrag bewilligt hat“, sagt Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian: „Durch diese Fördermittel sind die präventiven Starkregen- und Hochwasserschutzmaßnahmen, die wir bislang eingereicht haben, zu 100 Prozent finanzierbar. Für den Hochwasserschutz der Stadt ist das ein wichtiger Meilenstein.“
Unterstützung in Höhe von 18,7 Millionen Euro
Den Förderbescheid in Höhe von rund 18,7 Millionen Euro überreichte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gemeinsam mit Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, der Bürgermeisterin heute persönlich. Vor der Bewilligung des Bescheids wurde für jede der 17 geplanten Maßnahmen ein sogenannter „Steckbrief“ erstellt, die das Vorhaben und seine Schutzwirkung darlegten. Diese wurden zunächst von der Unteren Wasserbehörde und dem Erftverband auf ihre Wirksamkeit vorgeprüft, bevor sie dem Ministerium vorgelegt wurden. Der Erftverband glich sie unter anderem mit den Planungen anderer Anrainerkommunen der Erft ab, da Maßnahmen am Oberlauf der Erft Auswirkungen auf die Planungen am Unterlauf haben. Die Stadt Bad Münstereifel ist eine der ersten Kommunen im Kreis Euskirchen, die die Steckbriefe beim Ministerium eingereicht und den Förderbescheid des Landes als erstes erhält.
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Die Hochwasserkatastrophe vor vier Jahren hat viele Menschen in unserem Land hart getroffen, unvorstellbares Leid verursacht und ein fürchterliches Ausmaß der Zerstörung hinterlassen. Seitdem haben wir als Land rund 500 Projekte für einen besseren Hochwasserschutz gefördert und rund 390 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Auch in herausfordernden Zeiten für den Landeshaushalt setzen wir klare Schwerpunkte: Wir halten unsere Mittel für den Hochwasserschutz auch in diesem Jahr bei knapp 84 Millionen Euro – das sind fast 50 Prozent mehr als vor der Hochwasserkatastrophe.“
Viele Maßnahmen an kleineren Gewässern
Daniel Sieveke, Staatssekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen: „Seit vier Jahren packen wir gemeinsam an – und bauen nicht nur wieder auf, sondern besser als zuvor. Gemeinsam mit den Kommunen bringen wir mit dem Wiederaufbau die betroffenen Regionen Schritt für Schritt zurück in die Zukunft. Dabei geht es um mehr als Wiederherstellung: Qualifizierter Wasserschutz, moderne Gebäudeenergetik und zukunftsfähige Infrastruktur machen unsere Städte und Dörfer fit für morgen. In Bad Münstereifel ist der Wiederaufbau – vor allem in der Kernstadt – schon weit vorangeschritten. Mit zusätzlichen 18,7 Millionen Euro Förderung setzen wir den Kurs fort: 17 gezielte Maßnahmen, von Wasserrückhaltebecken über Schutzmauern bis hin zu optimierten Abflusswegen, sorgen für mehr Sicherheit bei Starkregen und Hochwasser. Wir bleiben ein verlässlicher Partner – heute, morgen, immer.“
Vorgesehen sind insbesondere Maßnahmen an kleineren Gewässern, die in die Erft entwässern. Sie hatten bei der Flutkatastrophe 2021 erhebliche Auswirkungen. Geplant sind insbesondere zwölf Rückhaltebecken (Erft, Eschweiler Bach, Hornbach, Bodenbach, Kolvenbach, Schleidbach, Schlierbach, Kornbach, Bülgesbach, Dreisbach, Namenloser Graben), Hochwasserschutzmauern und kleinere Rückhalte im Wald. Wenn alle Vorhaben umgesetzt sind, können dadurch rund 350.000 m³ Wasser zurückgehalten werden. Die Rückhaltebecken werden als Retentionsflächen gestaltet, in denen nur bei Bedarf Wasser aufgestaut wird. Ansonsten können die Flächen bewirtschaftet werden wie bisher, zum Beispiel durch Ackerbau. Eine Auswahl der Maßnahmen stellte Ralf Wassong, Technischer Leiter der Stadtwerke, Ministerpräsident Hendrik Wüst und Staatssekretär Daniel Sieveke im Rathaus vor. Eine Beschreibung aller geplanten Maßnahmen ist auf der Homepage der Stadt zu finden:
www.bad-muenstereifel.de/aktuelles/hochwasserschutz/kommunale-hochwasserschutzmassnahmen-der-stadt-bad-muenstereifel.
Neben den kommunalen Maßnahmen wird der Erftverband an der Möschemer Mühle ein Rückhaltebecken mit einem Volumen von 350.000 bis 400.000 m³ bauen.
Flächennutzung muss sichergestellt werden
Da die Finanzierung der Hochwasserschutzmaßnahmen nun gegeben ist, kann die Stadtverwaltung deren detaillierte Ausführungsplanungen angehen. Diese werden ausgeschrieben und von spezialisierten Architekten vorgenommen. Im Anschluss müssen die Planungen die Genehmigungsverfahren übergeordneter Behörden durchlaufen, vor allem im Hinblick auf Natur-, Umwelt- und Gewässerschutz. „Am schnellsten können voraussichtlich Maßnahmen auf stadteigenen Flächen umgesetzt werden, zum Beispiel im Forst“, erklärt Ralf Wassong: „Die Nutzung der restlichen benötigten Flächen müssen wir nun vertraglich sicherstellen. Mit einigen Eigentümern gab es im Vorfeld bereits Gespräche, die uns grundsätzlich optimistisch stimmen.“
Kleinere Maßnahmen zum Hochwasserschutz, die nicht Inhalt des Konzepts sind, hat die Stadt bereits im Rahmen des Wiederaufbaus umgesetzt. So wurden und werden zum Beispiel die beschädigten und zerstörten Erftmauern erhöht aufgebaut, der Unterbau des Straßenpflasters in der Kernstadt wasserdurchlässig gestaltet, Wasserrückhaltetümpel im Rahmen von Waldarbeiten eingerichtet und die Profile der Bäche an einigen Stellen verbessert, um einen höheren Abfluss zu ermöglichen. Außerdem hat die Stadt ein Hochwasserfrühwarnsystem installiert.
Eintrag ins Goldene Buch
Vor der Übergabe des Förderbescheids im Rathaus führte Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian den Ministerpräsidenten und den Staatssekretär durch die Stadt. So konnten sich beide ein Bild davon machen, dass in der Kernstadt zwar schon viel geschafft wurde, der Wiederaufbau aber noch nicht abgeschlossen ist. Die Bürgermeisterin zeigte unter anderem die Freitreppe zur Erft. Sie wurde an einer Stelle errichtet, an der die Zerstörung der Erftmauer besonders massiv war. Gestaltet ist sie mit Pflastersteinen, von denen einige mit Bildern aus den Tagen nach der Flut bedruckt sind. Da der Förderbescheid für die Stadt Bad Münstereifel von großer Bedeutung ist, trugen sich Staatssekretär Daniel Sieveke und zum zweiten Mal Ministerpräsident Hendrik Wüst nach der Übergabe in das Goldene Buch der Stadt ein.