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4. Jahrestag 2025

Ansprache der Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian

Sehr geehrte Vertreter der Politik und Verwaltung, 
liebe Vertreter unserer Ortsteile,
liebe Gäste, Medienvertreterinnen und -vertreter, verehrte Anwohner, Freunde und Unterstützer von Bad Münstereifel, 

vier Jahre ist der verheerende Starkregen und die zerstörerische Flut nun her, die unser Bad Münstereifel sowie die Erft- und Ahrregion am 14. und 15 Juli 2021 so schwer getroffen haben. Vier Jahre, in denen nach der Katastrophe viel Gutes geschehen ist. Wenn Sie sich hier im Ortskern und in den Ortsteilen der Höhenlagen umblicken, sehen Sie, dass viele offensichtliche Wunden bereits geschlossen werden konnten. Wir alle haben die Ärmel hochgekrempelt, gemeinsam angepackt, uns gegenseitig getröstet. Wir sind auf dem besten Weg, unsere historische Stadt mit ihren schönen Dörfern wieder aufzubauen. Und durch eine modernisierte Infrastruktur dabei noch lebenswerter zu machen. Natürlich gab und gibt auch Momente der Frustration, weil Dinge nicht voran gehen und der Weg lang ist. Aber ich sage: Wir haben allen Grund stolz auf das Erreichte zu haben. 

Bei allem, was wir für den Wideraufbau tun, ist das Erinnern an die Zerstörungen, die Opfer und Geschädigten der Flut allgegenwärtig. Ein wichtiger Ort der Erinnerung und Vergegenwärtigung ist die Freitreppe zur Erft, an der wir uns hier befinden. Vor vier Jahren hat hier die Flut ein gewaltiges Loch in die massive Erftmauer gerissen. Die Zerstörung macht die gewaltige Kraft der Wasser- und Trümmermassen deutlich. Seit ihrer Eröffnung 2023 hält die Freitreppe die Erinnerung und Mahnung an die Flutnacht wach, gleichzeitig ist sie ein starkes Symbol dafür, was wir mit der Hilfsbereitschaft vieler Menschen sowie dem Zusammenhalt und dem Mut der Münstereifeler nach dem schlimmen Ereignis alles geschafft haben.

Ich freue mich, dass die Freitreppe der lebendige Ort der Begegnung geworden ist, den wir uns erhofft haben. Hier verweilen täglich Jung und Alt, Bürgerinnen und Bürger genauso wie Gäste der Stadt. Wir machen das Wasser erlebbar ohne dabei die Gefahren, die davon ausgegangen sind, zu vergessen. 

Ein besonderes Element der Treppe sind die alten Pflastersteine, die in das Bauwerk integriert sind, und Motive der Flut aus Bad Münstereifel tragen. Diese „Foto-Pflastersteine“ hat der Fotograf Joachim Rieger in einem aufwendigen Druck gestaltet. Jeder Stein ist ein Unikat, so wie jede Erinnerung an die Flut einzigartig ist. Ein neues Schild informiert die Menschen über die Geschichte dieses Ortes.

Für mich und viele andere Bad Münstereifeler wird der Jahrestag dieser Katastrophe immer ein emotionaler Tag sein. Die Flut hat viel Leid über die Menschen dieser Stadt gebracht. Fünf Menschen verloren im Stadtgebiet ihr Leben. An sie – und an die Menschen, die in den anderen Flutgebieten gestorben sind – denke ich in diesen Tagen besonders. Für sie zünde ich nun diese Kerze an und bitte Sie alle um eine Schweigeminute, um den Opfern zu gedenken. >> Schweigeminute << Herzlichen Dank.

Ich denke in diesen Tagen auch an die vielen helfenden Hände, die aus allen Teilen des Landes zu uns gekommen sind und uns in der schweren Zeit Mut und Zuversicht geschenkt haben. Ich denke an unsere Partnerstädte sowie die zahlreichen Gemeinden, Vereine und Unternehmen aus ganz Deutschland, die uns durch Spenden und vielfältige Unterstützung geholfen haben, unsere Heimat wieder aufzubauen. Symbolisch mag dafür die wieder aufgestellte rote, britische Telefonzelle stehen, die nicht nur an unsere lebendige Partnerschaft mit der englischen Stadt Ashford erinnert. Auf einem Monitor im Inneren ist zudem eine Ausstellung zur Flut 2021 zu sehen, konzipiert vom Erftmuseum in Erftstadt. Sie ist damit eine Weiterentwicklung der leider von der Flut zerstörten Telefonzelle, die als Bücherschrank diente. Die neue Zelle konnten wir aus Mitteln des Wideraufbauplans sowie Spenden der Bürgerstiftung und einer Förderung realisieren. Dafür an dieser Stelle allen Beteiligten mein herzliches Dankeschön! Ein Dankeschön auch an die Bad Münstereifeler Künstlerin Marti Faber, die eine Stele zum Gedenken an die örtlichen Opfer der Flut geschaffen hat, danke auch dem Bürgerverein für die Finanzierung. Die Stele übergeben wir in naher Zukunft der Öffentlichkeit. 

Ich freue mich, heute zudem mitteilen zu können, dass der 2. Wiederaufbauplan genehmigt wurde, damit stehen uns bis Ende 2030 weitere rund 28.330.000 Euro zur Verfügung – die Arbeit kann also weitergehen.

Vier Jahre nach der Flut ist es wichtig, dass wir Momente der Normalität wieder genießen können. Etwa den Weihnachtsmarkt oder die traditionelle Kirmes in Bad Münstereifel, die kommendes Wochenende stattfindet. Tradition hat auch die Würdigung von Personen – Jung und Alt – aus dem Stadtgebiet, die im vorhergegangenen Jahr etwas Herausragendes geleistet haben. Erstmals nach der Flutkatastrophe wollen wir die Köpfe heute wieder ehren und vorstellen, die verpassten Jahre nachholen und ihnen den verdienten Raum in der Öffentlichkeit schenken. All diese Feiertage und Feste sind fester Bestandteil im Leben vieler Bürgerinnen und Bürger und ich finde es schön, dass wir beim Zusammensein und dem gemeinsamen Feiern nicht nur ein Stück Normalität, sondern auch die Gemeinschaft wieder erleben können, die uns nach der Flut getragen und geprägt hat.

Liebe Gäste, die unsichtbaren Wunden in Herzen werden sich vielleicht nie ganz schließen. Das ist nichts Schlechtes, denn es heißt, dass wir nicht vergessen, was war. Die sichtbaren Wunden in unserem Stadtgebiet aber dürfen sich schließen. Und wir sind auf dem besten Weg dies zu schaffen. Es gibt noch einiges zu tun – ob im Privaten oder Öffentlichen. Noch immer bauen wir Brücken wieder auf, richten Straßen wieder her und bauen für die Zukunft vor, mit einem verbesserten Hochwasserschutz. Ich persönlich blicke heute wir vor Jahren optimistisch in die Zukunft: Unsere Stadt Bad Münstereifel mitsamt seinen schönen Dörfern darf aufblühen.

Vielen Dank!

[Die Ansprache hielt Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian am 13. Juli 2024 an der Freitreppe, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen waren.]

3. Jahrestag 2024

Ansprache der Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian

Liebe Bad Münstereifelerinnen und Bad Münstereifeler,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Stadt,

als ich am Morgen des 15. Juli 2021 die Zerstörung in Bad Münstereifel sah, tiefe Krater, überall Löcher und schreckliche Schäden – da stockte mir der Atem. Es fühlte sich an, als ob das Herz dieser Stadt für immer zu schlagen aufgehört habe. Es war beinahe unmöglich, sich einen Weg durch die Orchheimer oder Werther Straße zu den Häusern und zu den Menschen zu bahnen. Es gab kein Vorankommen durch meterhohe Trümmer und riesige nasse Müllberge. Ich war erschüttert wie nie zuvor.

Als ich mich endlich bis in unsere Ortsteile durchgekämpft hatte, nahm das Gefühl der Erschütterung weiter zu. In Arloff waren die geteerten Straßen einfach weggerissen worden wie Pappe. In Iversheim türmten sich meterhoch die Trümmer und der Schutt links und rechts der Erft. In Gilsdorf hatte der Eschweiler Bach die gesamte Dorfmitte verwüstet. Und in Eicherscheid blickte ich auf das Gebäude der Firma Sieber, das von der Erft regelrecht entzwei gerissen und völlig zerstört worden war. In Schönau hatte die Flut Gärten und Terrassen hinweggeschwemmt und die Erde wie Flugsand davongetragen.

Es war zum Verzweifeln. Und die Menschen in der Kernstadt und den Ortsteilen waren verzweifelt. Doch es musste gehandelt werden und das taten vom ersten Moment an viele Mitstreiter. Es kamen unzählige Landwirte aus der Nachbarschaft mit Traktoren, Unternehmer, Geräteführer und ich-weiß-nicht-wer von nah und fern. Diese Menschen räumten nicht nur auf, sie stärkten uns. Was die Flut uns an Mut und Zuversicht nahm, gaben uns die Menschen zurück.

Wir sind jetzt im dritten Jahr nach der Flut – erst muss man sagen. Was wir – gemeint sind die Bürger*innen Bad Münstereifels, die Unternehmen vor Ort aber auch meine Mitarbeiter*innen in der Verwaltung und die Mitglieder des Stadtrates – seitdem geschafft haben, ist überwältigend und ein großer Kraftakt. Insgesamt ist der Wiederaufbau weit fortgeschritten, aber eben auch noch nicht abgeschlossen. Es gibt noch einige größere und kleinere Baustellen, sowohl in der Kernstadt als auch in den Ortschaften. Wir gehen hierbei nach der Priorisierung vor, die unser gemeinsam beschlossener Wiederaufbauplan hergibt. Mittel von Land und Bund wurden hierin bereitgestellt und die wichtigen Infrastrukturen (Straßen, Wasser, Strom, Gas, Telekomunikation, Kanalisation etc.) wurden zuerst wiederhergestellt, genauso, wie Feuerwehrgerätehäuser, Schulen, Kitas und ähnliches.

Aktuell schließen wir in der Kernstadt die letzten Pflasterarbeiten ab. In Arloff und an der Hardtbrücke haben wir vor wenigen Tagen die wiederhergestellten Sportanlagen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und auch der Wiederaufbau des Sportplatzes in der Kernstadt wird so schnell wie möglich folgen. Alle Brücken über die Erft haben wir instandgesetzt oder erneuert – jüngst in Iversheim. Ohne den großen Zusammenhalt aller Beteiligten wäre der heute sichtbare Fortschritt nicht möglich gewesen.

Bei aller Unterstützung, bei aller Entschlossenheit, bleibt dennoch auch viel Trauer bei uns Menschen in Bad Münstereifel. Es ist wichtig für die Narben auf unserer Seele, dass wir hin und wieder innehalten und gemeinsam gedenken. Gedenken der großen Verluste. Der geliebten Menschen, die wir in dieser Nacht verloren. Und dass wir auch an die Menschen denken, die ihr ganzes Hab und Gut, ihre Lebensgrundlage verloren – und nicht die Kraft finden, wieder von vorne zu beginnen.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 veränderte sich die Welt für unzählige Menschen in unserer Stadt komplett. In Gedenken an diesen schrecklichen Moment und den damit verbundenen Verlusten bitte ich Sie jetzt gemeinsam mit mir einen Moment innezuhalten.

[Entzünden der Flutkerze der Gedenkfeier aus dem Jahr 2023]

Eine besonders schöne Idee, die von unserer Bürgerschaft unterstützt wurde, ist diese Freitreppe, die an einem durchbrochenen Mauerstück an der Erft entstanden ist. Sie ist ein Ort des Erinnerns mit alten Pflastersteinen, die Motive der Flut tragen. Sie ist aber auch ein Ort, an dem wir Bad Münstereifler uns mit der Erft versöhnen können und uns wieder an ihrem Plätschern erfreuen werden. Lassen Sie uns dies nun gemeinsam tun.

Ihre Bürgermeisterin
Sabine Preiser-Marian

 

[Die Ansprache hielt Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian am Abend des 14. Juli 2024 bei einem gemeinsamen Innehalten an der Freitreppe, zu dem alle Bürgerinnen und Bürger eingeladen waren.]

2. Jahrestag 2023

Botschaft der Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian

Liebe Bürgerinnen und Bürger, die Botschaft der Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian zum 2. Jahrestag der Flutkatastrophe sehen Sie in diesem Video.

1. Jahrestag 2022: Empfang zum Jahrestag der Flutkatastrophe

Rede der Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian

"Als ich am Morgen des 15. Juli die Zerstörung in Bad Münstereifel sah, tiefe Krater, überall Löcher und schreckliche Schäden – da stockte mir der Atem und ich zitterte. Und als ich meine Bad Münstereifler sah, wie sie von oben bis unten mit Schlamm verschmutzt waren, wie sie durstig, nass und in Gummistiefeln zu mir ans Rathaus kamen, da fühlte es sich an, als ob das Herz dieser Stadt für immer aufgehört habe zu schlagen. Ich blickte in die Gesichter der Kinder, entdeckte zertrümmertes Spielzeug zwischen Pflastersteinen und dachte, ihr Lachen habe unsere Stadt für immer verlassen.

Es war beinahe unmöglich, sich einen Weg durch die Orchheimer oder Werther Straße zu den Häusern und zu den Menschen zu bahnen. Es gab kein Vorankommen durch meterhohe Trümmer und riesige nasse Müllberge. Ich war erschüttert, wie ich es noch nie in meinem Leben gewesen bin. Als ich mich endlich bis in unsere Ortsteile durchgekämpft hatte, nahm das Gefühl der Erschütterung weiter zu.

In Arloff waren die geteerten Straßen wie Pappe einfach weggerissen worden. In Iversheim türmten sich meterhoch die Trümmer und der Schutt links und rechts der Erft. In Gilsdorf hatte der Eschweiler Bach die gesamte Dorfmitte verwüstet. Und in Eicherscheid blickte ich auf das Firmengebäude der Firma Sieber, dass von der Erft regelrecht entzweigerissen und völlig zerstört worden war. In Schönau hatte die Flut Gärten und Terrassen hinweggeschwemmt und die Erde wie Flugsand davongetragen. Es war zum Verzweifeln. Und die Menschen in der Kernstadt und den Ortsteilen waren verzweifelt. Doch ich wusste sofort, ich muss dieses Gefühl ganz weit in den Hintergrund schieben und meiner Zuversicht Raum geben, um jetzt schnell handeln zu können.

Dabei stärkten mich vom ersten Moment an viele Mitstreiter, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung und der „Krisenstab“ – viele kämpften von Anfang an entschlossen an meiner Seite. Bereits in der Nacht hatten wir den „Krisenstab“, der erstmals am frühen Nachmittag des 14. Juli in Bad Münstereifel zusammenkam, nach Nöthen auf den Berg verlegt. Wir kamen zweimal am Tag zusammen und koordinierten alle Hilfsmaßnahmen. Wir teilten Bad Münstereifel sofort in 11 Sektionen auf, bestimmten Sektionsleiter und schafften gemeinsam Versorgungszentren, damit die betroffenen Menschen mit dem Lebensnotwendigen versorgt waren. In jeder der Sektionen wuchsen die Helfer über sich selbst hinaus. Schuhe, Kleider, warme Speisen – aber vor allem auch Zuhören und In-den-Arm-nehmen – in den Versorgungszentren von Houverath bis Arloff, von Rupperath bis Iversheim leisteten die Freiwilligen Großartiges.

Gleichzeitig drängte die zerstörte Infrastruktur zum raschen Handeln: Lecke Gas-, zertrümmerte Wasserleitungen, weggerissene Straßen, Brücken und Bahngleise, verschlammte Schulen, Kitas und Feuerwehren, ein stark beschädigtes Rathaus  – wo anfangen? Und dann drohte auch noch die Kläranlage in Kirspenich durch einen Hangrutsch einzustürzen, das hätte 90 Prozent der Versorgung lahmgelegt. Sandsäcke sicherten zunächst das Gelände, doch es war schnell klar, dass wir zügig eine Brückensprengung zur Entlastung vornehmen mussten – Feuerwehr, THW und Bundeswehr galt es zu koordinieren. Mit Lautsprecherdurchsagen fuhr die Feuerwehr durch den Ort, von Tür zur Tür um mit Hilfe der Bundeswehr klingelnd alle Menschen rasch zu evakuieren. Alt und jung, fit und gebrechlich – wir versammelten alle auf dem Parkplatz. Was zwei Stunden dauern sollte, benötigte den ganzen Tag – und die Evakuierten standen während der schwierigen Sprengung in der prallen Sonne. In dieser Situation kam uns unser Bäcker aus Eicherscheid zur Hilfe, Herr Detlef Gemünd. Auch seine Bäckerei stand unter Wasser, war schwer beschädigt. Und dennoch versorgte er mit seinem mobilen Bäckerwagen die evakuierten Bürger mit dem Nötigsten. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen.

Schließlich wurde die Brücke gesprengt und abtransportiert, ein weiteres Unheil abgewehrt – und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Panzer gesehen, einen mit kraftvollem Kran. Die Kraft der Gemeinschaft, die Solidarität und die Entschlossenheit der Bürger in allen Ortsteilen, liebe Gäste, stärkten auch meine Hoffnung und Zuversicht. Am Morgen danach kam Marc Brucherseifer vom City Outlet zu uns in die Koordinierungsstelle nach Nöthen und sagte: „Ich helfe Euch, wir bauen auf jeden Fall wieder auf.“ Das werde ich ihm nie vergessen. Und er machte mit einer Riesenspende sofort klar, dass es sich nicht um ein leeres Versprechen handelte.

Viele Unterstützer trafen sich auf Bänken am Rathaus – und alle machten uns mit ihrer Kraft und ihrem Anpacken klar, wir bekommen das gemeinsam hin. Für die Kernstadt, die Infrastruktur und Häuser in den Stadtteilen. Es musste ja einfach alles wieder her, Straßen, Kindergärten, Schulen, Gas- und Wasserleitungen. Mit der Verwaltung, der Politik in den Stadtteilen, dem Stadtmarketingverein, ja mit allen Betroffenen und Unterstützern, der Gastronomie, den Geschäftsinhabern haben wir gesprochen: Bekommen wir das wirklich hin, schaffen wir das? Und wir alle meinten: Ja, wir geben jetzt Gas! Also sicherten wir uns ganz früh die Zusage von unseren Vertragspartnern, von Bauunternehmern, von Lieferanten, von Versorgern; und bestellten rasch die Materialien wie Pflastersteine, Laternen und vieles mehr.

Heute, ein Jahr später, darf ich ehrlich zugeben, dass ich zwischendurch immer wieder einmal leise dachte, das schaffen wir vielleicht doch nicht. Aber jedes Mal, wenn ich zweifelte oder verzweifelte, waren Sie alle da und gaben mir, gaben meinen Mitarbeitenden in der Verwaltung, gaben den Betroffenen Kraft. Die vielen Helfer und Unterstützer. Es kamen unzählige Landwirte aus der Nachbarschaft mit Traktoren, Unternehmer, Geräteführer und ich-weiß-nicht-wer von nah und fern. Sie räumten nicht nur auf, sie stärkten uns. Was die Flut uns an Mut und Zuversicht nahm, gaben uns die Menschen zurück.

Eine Bundeswehrtruppe nach der anderen half uns hier in Bad Münstereifel, zahlreiche Feuerwehren und technische Hilfswerke aus ganz Deutschland fassten in den Ortsteilen und in der Kernstadt mit an. Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus Nachbarstädten und von weit her zeigten ihre Solidarität. Wie beispielsweise der Bürgermeister von der Stadt Halle in Westfalen, Thomas Tappe, der einfach mit einem Helfertrupp in Iversheim erschien, anpackte und mich über Handy informierte, „Frau Preiser-Marian, wir sind da und räumen jetzt ein Haus aus.“ Einfühlsam verstanden unsere Helfer auch, wie wichtig Symbole für uns in Bad Münstereifel in der Not waren. Etwa der Heilige Laurentius in Iversheim. Der Bildstock mit der ungewöhnlich aufwendig gearbeiteten Figur aus der Neugotik war wie ein Ankerpunkt für unsere Bürgerschaft. Die Wucht der Flut hat den Bildstock fortgerissen und in seine Einzelteile zerstreut. Wir suchten gemeinsam nach ihm und fanden seinen Torso in den Trümmern der Erft. Nun ist er zwar vorübergehend kopflos, doch mit der Hilfe von Spendern werden wir unserem Laurentius sicher auch wieder zu einem Angesicht verhelfen.

Empathie und Zupacken, Einfühlsamkeit und Aufräumen – wenn ich nur eines in dieser Katastrophe gelernt hätte, so wäre es der feste Glauben an die Menschen, vor allem auch an die jungen Menschen. Die waren einfach der Hammer! Tolle, anpackende und Mut spendende junge Helfer kamen von nah und fern. Was für eine kraftvolle, mitreißende und selbstlose junge Generation – von der können wir uns alle eine Scheibe abschneiden. Mit Eimer, Schaufeln und Handschuhen rückte beispielsweise Emily Miller und ihre Helfer an, sie räumten in einem irren Tempo dieses Schulzentrum  und das St. Angela Gymnasium von Schlamm, Schutt und Trümmer frei. Sie opferten ihre Freizeit und ihre Urlaube, damit hier wieder Kinder und Jugendliche zur Schule gehen können.

Ich habe hier in Bad Münstereifel noch nie so viele junge Menschen auf einen Haufen gesehen. Zum Abschied hinterließen sie den allerschönsten Händeabdruck auf der Wand unserer Schule. Das gilt auch für Thorsten Krüger, Bürgermeister von Geestland bei Cuxhaven. Wie der Bauhof aus dem hohen Norden uns unterstützte, den völlig zerstörten Friedhof an der Schleidtalstraße wieder herzustellen, ist einfach großartig. Und ich werde wohl nie vergessen, wie er an der Rüttelmaschine stand und einen der Wege wieder herrichtete – ich ahnte ja nicht, dass dies zu den Kompetenzen von Bürgermeistern gehört.

Ebenso wie er überraschten mich viele Helfer aus ganz anderen Berufen mit ungewöhnlichen Fähigkeiten im Wiederaufbau unserer Stadt. Wir alle sind Euch unendlich dankbar dafür. Dem Bauhof aus Aachen, der einfach anpackte und mit aufbaute. Dankbar für das Konzert auf dem Klosterplatz, das Hannes Schöner für die Menschen hier in dieser Stadt mit Musikern initiierte, damit wir einmal durchatmen, singen und schunkeln konnten, bevor wir weiter aufräumten und aufbauten. Dankbar für die WDR-Charity-Aktion „Der Westen hält zusammen“, bei der etwa die Bläck Fööss, Brings und Patricia Kelly Hilfsgelder für unsere Kinder sammelten, um ein Stück Normalität für die Kleinsten zu finanzieren. Dankbar für die vielen kleinen und großen menschlichen Gesten. Der Bürgermeister und die Bürger aus Niederkrüchten beispielsweise, die mit ihrer Tafel die Flutopfer versorgten. Dankbar dem Deutschen Rote Kreuz, das in der Weihnachtszeit als Elch und Nikolaus Weihnachtswünsche erfüllte. Dankbar der Prinzengarde aus Arloff, die für einen Tag unsere von der Flut erschütterten Senioren verwöhnte. Ihnen allen bin ich für die menschliche Wärme dankbar, die sie mir und den Bürgern dieser Stadt schenkten. Und ich weiß, dass ich ganz viele nicht erwähnen kann. Ich möchte dennoch, dass alle Helferinnen und Helfer – genannt oder ungenannt – wissen, dass wir Ihr Geschenk an uns, die Bilder von den vielen menschlichen Begegnungen für immer in unseren Herzen tragen.

Bilder von Baggerfahrern, Geräteführern, Landwirten und Bauunternehmern, die nicht nur ehrenamtlich Geröll und Schutt zur Seite schoben, sondern auch viel Wärme und Trost spendeten. Auch das Bild vom Stein aus der Erft, den Bürgermeister Jörn Möltgen mitnahm, um ihn der Dorfmitte von Havixbeck im Münsterland als „Botschafter“ aufzustellen. Die Gravur erinnert einerseits an die vielen Freiwilligen, die zu uns kamen. Zugleich erinnert der Stein auch an den Klima- und Hochwasserschutz, daran, dass wir unsere Städte an die Klimafolgen anpassen müssen. 

Die Begegnung mit unserer Altbundeskanzlerin Angela Merkel, bei der so viel Wärme, Solidarität und Mitgefühl mit unserer schönen Stadt zum Greifen war. Angela Merkel ließ sich von unserem Schicksal berühren. Sie besuchte einige betroffene Stadtteile, sprach in Versorgungzentren mit den Betroffenen. Sie fühlte mit uns, den Bürgern und den Opfern dieser Flut. Sie hörte zu, tröstete und fragte mich noch Monate später nach diesem oder jenem Bürger, zum Beispiel wie es wohl den Inhaber unseres Cafés am Salzmarkt inzwischen ergangen sei, ob es Ihnen gut ginge. Das beeindruckt mich bis heute sehr. Aber auch, wie unser Alt-NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart dem bedeutenden Unternehmer unser Stadt, Peter Greven, seine Unterstützung versicherte. Wie unser Ministerpräsident Hendrik Wüst sich über den Wiederaufbau informierte, wie unser Kanzler Olaf Scholz sich bei unseren Bürger*innen über die Fortschritte informierte. 

Bei aller Unterstützung, bei aller Entschlossenheit, bleibt dennoch auch viel Trauer bei uns Menschen in Bad Münstereifel. Es ist wichtig für die Narben auf unserer Seele, dass wir hin und wieder innehalten und gemeinsam gedenken. Gedenken der großen Verluste. Der geliebten Menschen, die wir in dieser Nacht verloren. Und dass wir auch an die Menschen denken, die Ihr ganzes Hab und Gut, ihre Lebensexistenz verloren – und nicht die Kraft finden, wieder von vorne zu beginnen. Es tat uns allen gut, gemeinsam zu gedenken. Vor dem Rathaus zwei Wochen nach der Flut, beim Gottesdienst zum Jahrestag in dieser Woche.

Blicken wir in die Zukunft - es ist es für uns alle in Bad Münstereifel wichtig, dass wir beim Wiederaufbau die Weichen für die Zukunft bereits heute richtig stellen. Früh besprachen wir mit dem Erftverband, mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern der benachbarten Gemeinden, wie und wo wir für Rückhaltebecken und natürliche Ausweichflächen sorgen können. Gemeinsam betrachten wir nun den Hochwasserschutz von der Quelle bis zur Mündung.

Auch bei unseren Wiederaufbau-Anträgen ging es darum, bereits heute an morgen zu denken, damit wir Bad Münstereifel klimaangepasster und hochwassersicher wiederaufbauen. Ich bin sehr froh, dass die Ministerin Scharrenbach uns dabei unterstützt. Mehr als 300 Wiederaufbau-Projekte in allen Stadtteilen werden mit 175 Millionen Euro unterstützt. Bei jedem Projekt, reden unsere kleinen und großen Bürger mit. Und wir sind froh über ihre kreativen Ideen und Anregungen für die Zukunft. Egal, ob es um eine neue Rutsche geht und darum, wie die Rutsche nach Meinung unserer Kita-Kinder aussehen sollte. Ob wir rasch Infrastruktur wie Brücken und Straßen wieder instandsetzen, die historischen Erftmauern wieder aufbauen oder neue Glasfaserleitungen bis in die Stadtteile hinein verlegen.

Eine besonders schöne Idee die von unserer Bürgerschaft unterstützt wird, ist die neue Freitreppe, die an einem durchbrochenen Mauerstück an der Erft entsteht. Es wird ein Ort des Erinnerns sein, mit alten Pflastersteinen, die Motive der Flut tragen. Aber auch ein Ort, an dem wir Bad Münstereifler uns mit der Erft versöhnen können und uns vielleicht eines Tages wieder an ihrem Plätschern erfreuen werden. Und selbst unsere neuen Pflastersteine sind Ausdruck eines neuen Selbstverständnisses, eines zukunftsgerichteten Wiederaufbaus. Sie sind nicht nur barrierearm sondern lassen fugenfrei das Wasser bei künftigem Starkregen besser abfließen.

Um möglichst viele der Erkenntnisse und guten Ideen unserer Bürger*innen zu verstehen, veranstalteten wir Workshops für alle Stadteilen, nutzen die Erfahrungen der Menschen und hören sehr gut zu. Denn sie wissen besser als jeder andere, welchen Weg sich das Wasser suchte und was wir gemeinsam in Zukunft besser machen können. Am 30. Juni war es so weit: Wir konnten in einem „Silent Opening“ tatsächlich viele Geschäfte in Bad Münstereifel wieder eröffnen. Das ist sicher erst der Anfang und wir haben in der Kernstadt und den Ortsteilen noch sehr viel wieder aufzubauen und es wird uns noch sehr viel Kraft kosten.

Doch seitdem ich – unserer uralten Tradition als Kneipp-Heilbad folgend – meinen Arm wieder ins Kneipp-Becken tauchen konnte, war mir endgültig klar; Ja, wir schaffen das. Auch wenn noch reichlich Wegstrecke vor uns liegt. Das Herz von Bad Münstereifel schlägt wieder – wenn auch noch ein wenig holprig. Ich danke jedem Einzelnen von Ihnen hier und den tausenden Helfern außerhalb dieser Kapelle von ganzem Herzen – auch im Namen aller Bürger*innen von Bad Münstereifel.

Quo Vadis?

Wir werden unsere Stadt gemeinsam stark für die Zukunft machen – sie nachhaltiger, digitaler und innovativer wiederaufbauen, auch für unsere Kinder und Enkel. Das Hochwasser, der Tag heute, hat uns allen gezeigt, dass die Solidarität der Bad Münstereifler, ihrer Nachbarn und Freunde, der vielen Helfern ihresgleichen sucht.

Auch bei der Zukunftsgestaltung, bei dem Masterplan 2030 bauen wir auf die Kreativität und die Beteiligung unserer Gemeinschaft, der Menschen, Unternehmen und Institutionen, um bereits heute die Weichen für morgen richtig zu stellen.Das bedeutet: Klima- und Hochwasserschutz werden für uns noch wichtiger, bei jeder Baumaßnahme, jeder Entscheidung, die wir treffen. Das beginnt bei LED-Straßenleuchten, Glasfaser statt Kupferleitung, Energieeffizienz im Rathaus und wo immer wir Altes durch Neues ersetzen. Und das ist nur der Anfang.

Das bedeutet aber vor allem auch: bei künftigen Starkregenereignissen besser geschützt zu sein. Indem wir bei jeder aktuellen Bau-Entscheidung den Hochwasserschutz verbessern. Und indem wir gemeinsam mit unseren benachbarten Kommunen und dem Erftverband für Regenrückhaltungen und natürliche Überflutungsflächen sorgen. Gemeinsam sind wir stark. Und diese Stärke hat uns durch das vergangene Jahr getragen. Gemeinsam sind wir auch zukunftsstark. Wir in Bad Münstereifel werden eine noch lebenswertere Stadt aufbauen, ebenso traditionsreich wie innovativ, ebenso naturnah wie digital vernetzt, ebenso klimafreundlich wie hochwasser-resilient.

Ich freue mich darauf, diesen Masterplan 2030 mit den Menschen dieser Stadt weiterzuentwickeln. Und ebenso wie wir den Schlamm aus unserer Stadt räumten, an unserer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten."

Verleihung der Feuerwehr- und Katastrophenschutz-Einsatzmedaille des Landes NRW

Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian verlieh den Führungskräfte der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Bad Münstereifel mit folgenden Worten eine Medaille:

"Ein Ehrenamt im Wortsinne, Ihnen allen gebührt Dank und Ehre für den freiwilligen Einsatz am 14. Juli. Bei der größten Naturkatastrophe seit der Gründung unseres Bundeslandes haben Sie uns zur Seite gestanden. Und viele von Ihnen haben in den Stunden der Not ihre Gesundheit und auch Ihr Leben riskiert, um Menschen in unserer Stadt zu retten.

Auch in den Tagen danach, für viele Wochen und Monate, organisierten Sie die Hilfe und haben sich bis zur eigenen Erschöpfung für Ihre Mitmenschen eingesetzt. Mir fehlen die Worte, um mich bei Ihnen stellvertretend für alle Menschen in der Feuerwehr, für Ihren Mut und Ihre Entschlossenheit zu bedanken. 

Als Zeichen der der Anerkennung für ihren Einsatz verleihe ich ihnen im Namen des Innenministers des Landes NRW die Feuerwehr- und Katastrophenschutz-Einsatzmedaille, die eigens für solche Zwecke gestiftet wurde. Die altsilberne Medaille trägt auf der Vorderseite die Kurzbezeichnung des Einsatzes „Unwetterkatastrophe 2021“ sowie den Schriftzug „Dank den Helferinnen und Helfern“. Auf der Rückseite befindet sich das nordrhein-westfälische Landeswappen. Zusätzlich möchte ich Ihnen die Urkunde überreichen.“

Kontakt

Stadt Bad Münstereifel
Marktstraße 11-15
53902 Bad Münstereifel

Tel: 02253/505-0
Fax: 02253/505-114
E-Mail: info@bad-muenstereifel.de

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