Wie steht es im Wiederaufbau?
Die Zahlen (Stand: Juli 2026): Die Höhe der Schäden an der Infrastruktur liegt bei etwa 203,9 Millionen Euro. Das ist die prognostizierte Schadenssumme, für die Wiederaufbaumittel von Land und Bund bewilligt wurden. Da der Wiederaufbau ein laufender Prozess ist, kann sich die Summe noch ändern. Derzeit sind im Wiederaufbauplan der Stadt Bad Münstereifel 369 Maßnahmen zur Sanierung der Infrastruktur aufgeführt. Manche Maßnahmen sind zu Bündeln zusammengefasst, sodass die eigentliche Zahl der Schäden an der Infrastruktur höher liegt. Aktuell ist der Wiederaufbau von 18 Prozent der Maßnahmen baulich abgeschlossen. Davon sind 20 Maßnahmen komplett abgeschlossen, d.h. inklusive Abrechnungen und Prüfung der Verwendungsnachweise (s.u.) durch den Fördermittelgeber. Weitere 15 Prozent der Maßnahmen sind im Bau. In Planung befinden sich 5 Prozent. 41 Prozent befinden sich in anderen Bearbeitungsstadien (Genehmigungsverfahren, Ausschreibungen, Beschaffung von Gutachten, …). Bei 14 Prozent der Maßnahmen wurde die Bearbeitung noch nicht begonnen, und 7 Prozent (18 Maßnahmen) konnten aus verschiedenen Gründen entfallen. Die reinen Zahlen sind nur eingeschränkt aussagekräftig, da es sich um Maßnahmen von sehr unterschiedlichem Umfang und unterschiedlicher Komplexität handelt (s. unten “Das Volumen”).
Einige Beispiele für Schäden an der kommunalen Infrastruktur:
- Die Sportplätze: Drei komplett zerstörte Sportplätze in der Hand der Stadt (Arloff, Hardtbrücke, Bad Münstereifel). Die Anlagen in Arloff und an der Hardtbrücke sind wiederaufgebaut.
- Die Brücken: Rund 45 zerstörte oder beschädigte Brücken. Die überfahrbaren Brücken konnten größtenteils wiederhergestellt werden, zwei Brücken in Houverath stehen noch aus. Außerdem wurden kürzlich die Planungen für sieben zerstörte oder massiv beschädigte Fußgängerbrücken zwischen Arloff-Kirspenich und Eicherscheid erstellt.
- Die Schulen und Kitas: Alle Gebäude in städtischer Hand mit Ausnahme der Mensa im Schulzentrum (Konvikt) sind wiederhergestellt.
- Die Gewässer: Mehr als 3.800 registrierte Schäden an Gewässern wurde registriert. Innerorts wurden die Schäden größtenteils beseitigt, der Wiederaufbau außerorts wurde kürzlich begonnen.
- Das Abwassernetz: Städtische Kläranlagen wurden massiv beschädigt. Die Kläranlage "Wald" muss noch ersetzt werden. Das rund 55 Kilometer große Kanalnetz wurde nach der Flut gespült und gereinigt. Die Befahrung des Netzes ist erfolgt und wird derzeit ausgewertet. Die Wiederherstellung der Kanäle ist an die Wiederherstellung der Straßen gebunden. Wo Straßen bereits saniert wurden und auch eine Sanierung der Kanäle notwendig war, ist dies geschehen.
- Die Feuerwehren: Das Feuerwehrgerätehaus in der Kernstadt Bad Münstereifel wurde durch die Flut so stark beschädigt, dass ein Abriss nötig ist. Der Ersatzneubau kann nur an gleicher Stelle erfolgen. In dieser Zeit muss die Feuerwehr in einer Interimlösung untergebracht werden. Diese wird in den ehemaligen Hallen von Auto Heinen im Gewerbegebiet geschehen. Um allen Anforderungen an solch einer Einrichtung zu genügen, müssen die Hallen aufwendig überplant und umgebaut werden. Um die vorgeschriebenen Ausrückzeiten einhalten zu können, ist außerdem ein kleineres Nebeninterim nahe des bisherigen Gerätehauses an der Kölner Straße notwendig. Die Art der Gebäude und die örtlichen Gegebenheiten stellen also komplexe Anforderungen an die Planungen der Interims, aber auch des Ersatzneubaus dar. Hinzu kommt, dass am Standort des Ersatzneubaus prophylaktisch eine Hangsicherung notwendig ist. Die Umsetzung von Haupt- und Nebeninterim soll im Herbst 2026 starten, der Ersatzneubau soll zwischen Spätsommer 2027 und Spätsommer 2029 errichtet werden.
- Das Rathaus: Das Erdgeschoss, in dem Bürgerbüro und Ordnungsamt untergebracht sind, und der Keller des historischen Roten Rathauses wurden überschwemmt. Der Wiederaufbau ist abgeschlossen.
- Das Stadtarchiv: Es war im Keller des Rathauses untergebracht und wurde vollständig geflutet. Viele Archivalien - teilweise Jahrhunderte alte Urkunden und Schriftstücke zur Stadtgeschichte - wurden gerettet und sind seitdem in großen Teilen bei einem Fachunternehmen eingefroren. Das Archiv wird künftig in einem Ersatzneubau untergebracht, für das allerdings noch kein Standort gefunden wurde. Derzeit wird auch hier eine Interimslösung eingerichtet. Das Archivgut soll ab 2027 mittels dem Verfahren der Gefriertrocknung aufbereitet und dort aufbewahrt werden, bis ein neues Archiv steht. Angestrebt ist dessen Fertigstellung für 2030.
- Die Wald- und Wirtschaftswege: Mehr als 150 Wald- und Wirtschaftswege wurden beschädigt oder zerstört. Der Wiederaufbau der Waldwege im Stadtwald ist abgeschlossen. Der Wiederaufbau der Wirtschaftswege geschieht in mehreren Bündeln. Einige sind abgeschlossen und andere derzeit in der Bauphase. Der Großteil steht allerdings noch aus.
- Die Friedhöfe: Der Wiederaufbau des Friedhofs in Bad Münstereifel ist fast abgeschlossen. Der Wiederaufbau des Friedhofs Iversheim kann voraussichtlich in diesem Sommer starten.
- Die Straßen: Mehr als 100 Straßen in Zuständigkeit der Stadt wurden durch die Flutkatastrophe beschädigt oder zerstört. Direkt nach der Flut wurden provisorische Reparaturen umgesetzt, um das Verkehrsnetz aufrecht zu erhalten. Ein Großteil Straßen weist nur minimale Schäden auf und liegen daher in der Priorität des Wiederaufbaus nicht vorne.
Die massivsten Zerstörungen waren in der Bad Münstereifeler Wertherstraße und der Orchheimer Straße festzustellen. Der Oberbau der Einkaufsstraße in der Innenstadt war kaum noch vorhanden, auf mehreren Hundert Metern hatte die Flut tiefe Krater gerissen, einige Häuser waren kaum erreichbar. Daher zählten diese Straßen der Innenstadt zu den ersten, die - einschließlich der Erftmauern - wiederaufgebaut wurden. Inzwischen sind weitere Straßen in der Innenstadt fertiggestellt, einige stehen noch aus.
In Iversheim sind die Arbeiten aktuell im Gange. Mühlengasse und Unterste Gasse sind fertiggestellt, die Straße “Am Bloch” wird derzeit saniert. Die ausstehenden Straßen und Teile der Erftmauern, die noch nicht saniert wurden, folgen.
Für die Wiederherstellung der Bachstraße in Arloff-Kirspenich laufen derzeit die Vorarbeiten. Die Planungen wurden den Bürgerinnen und Bürgern vorgestellt und von der Politik beschlossen. Die Sanierung der übrigen beschädigten Straßen wird folgen. Ebenfalls beschlossen wurden die Planungen beschädigter Straßen in Eicherscheid, nachdem die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger eingearbeitet wurden. - Sonstiges: Kreuze, Heiligenhäuschen, Stolpersteine, Straßenbeleuchtung, Erftmauern, …
Warum dauert der Wiederaufbau so lange?
Der Wiederaufbau der öffentlichen Infrastruktur ist fünf Jahre nach der Flut noch nicht abgeschlossen. Es handelt sich um den größten Wiederaufbau seit dem Zweiten Weltkrieg. Viele Menschen fragen sich: Warum dauert es so lange? Die größten Herausforderungen haben wir hier zusammengetragen:
- Das Personal: In der Stadtverwaltung fehlt es an Personal für den Wiederaufbau, dessen Abwicklung sehr zeitintensiv ist. Die Mitarbeitenden arbeiten den Wiederaufbau zusätzlich zu ihren übrigen Aufgaben ab. Zwar arbeitet die Verwaltung mit einem Büro zur Projektsteuerung zusammen, dennoch ist der Aufwand in der Verwaltung hoch. Jede Maßnahme muss eng begleitet werden. Zwar wurden in geringem Umfang befristete Stellen geschaffen. Aber diese decken die Mehrarbeit bei Weitem nicht ab. Schwierig dabei ist, dass die Stellen für den Wiederaufbau nicht regulär über die Wiederaufbauförderung von Land und Bund finanziert wird. Stattdessen müssen sie aus dem städtischen Haushalt bezahlt werden. Für eine Kommune – vor allem wenn sie sich wie Bad Münstereifel in der Haushaltssicherung befindet – sind diese hohen Kosten allerdings kaum zu stemmen. Die notwendigen Planungsunternehmen zu gewinnen, hat sich ebenfalls als herausfordernd erwiesen, da sie aufgrund des Wiederaufbaus stark gefragt sind.
- Das Volumen: Stand heute enthält der Wiederaufbauplan 369 Maßnahmen. Da teils mehrere Schäden zu einer Maßnahme gebündelt wurden, ist die Anzahl der Einzelschäden viel höher. Der Umfang und die Komplexität der Maßnahmen sind zwar unterschiedlich, aber alle aufwendig (s.u.). Das reicht vom Neubau des Feuerwehrgerätehauses in der Kernstadt, bei dessen Planung und Bau sehr umfassende Vorschriften zu beachten sind, bis hin zum Straßengraben, der auf wenigen Metern beschädigt ist. Daher sind die reinen Zahlen nur bedingt aussagekräftig. Betroffenen von der Katastrophe waren zwar vor allem die Orte entlang der Erft, Schäden sind aber in nahezu allen Dörfern zu verzeichnen. Innerhalb der Orte konnte ein Großteil der eklatanten, deutlich sichtbaren Schäden an der Infrastruktur inzwischen behoben werden bzw. befinden sich derzeit in der Bauphase. Es gibt in den Orten aber auch noch sichtbare Schäden, die nach und nach abgearbeitet werden. Die Abfolge aller Maßnahmen muss koordiniert werden – einerseits um die Beeinträchtigungen für die Bürger möglichst gering zu halten, andererseits um die Zeitpläne der beteiligten Unternehmen abzustimmen. Viele Schäden sind für die meisten Bürgerinnen und Bürger nicht unmittelbar sichtbar, da sie sich außerhalb der Orte in Wald und Feld oder unter der Erdoberfläche befinden. Auch die Schäden an Bauwerken sind nicht unbedingt direkt sichtbar - z.B. kann eine Brücke problemlos nutzbar, aber dennoch von der Flut beschädigt sein.
- Die Koordinierung: Die Fülle an Maßnahmen muss koordiniert werden. Zum einen muss die Arbeit aller Beteiligten so geplant werden, dass es zu möglichst wenigen Stockungen kommt. Zum anderen muss der Ablauf der vielen Baustellen so koordiniert werden, dass die Behinderungen für die Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich bleiben.
- Das Verfahren: Kommunen müssen bei Baumaßnahmen teilweise umfangreiche Regeln beachten. Einige Beispiele:
Vergabe: Anders als bei privaten Bauvorhaben können Kommunen die Planer, Architekten, Handwerker usw. meistens nicht nach Belieben beauftragen, sondern müssen die Aufträge ausschreiben. Die eingegangenen Angebote müssen ausgewertet werden. Manchmal werden keine Angebote abgegeben und es muss neu ausgeschrieben werden. Etliche Vergaberegeln waren nach der Flut ausgesetzt. Das hat die Auftragsvergabe erleichtert und wurde von der Stadtverwaltung genutzt. Inzwischen sind die Regeln aber wieder in Kraft.
Dokumentation: Um finanzielle Mittel aus dem Wiederaufbau zu erhalten, müssen akribisch Akten geführt werden. So muss für jede Maßnahme ein seitenlanges “Projektdatenblatt” erstellt werden, das die anstehende Maßnahme beschreibt. Diese werden beim Fördermittelgeber zur Genehmigung eingereicht. Die Maßnahmen müssen von Fachbüros geplant werden. Am Ende muss in Verwendungsnachweisen genau aufgeführt werden, wofür die Gelder genutzt wurden. Diese Dokumentationen müssen genau geführt werden, damit die Fördermittel später ausgezahlt werden.
Juristische Beratung: Da die rechtlichen Vorgaben teils recht umfangreich sind, ist bei einigen der Schritte regelmäßig juristische Beratung notwendig.
Gutachten & Genehmigungen: Bei etlichen Maßnahmen sind Gutachten und Genehmigungen anderer Behörden notwendig - z.B. wenn es um den Artenschutz geht. - Die Unwägbarkeiten: Der tatsächliche Zustand der vorhandenen Infrastruktur – insbesondere im Bereich der Abwasseranlagen – lässt sich häufig erst im Zuge der detaillierten Planung oder während der Bauausführung vollständig feststellen. Manchmal stellt sich in der Bauphase heraus, dass alte Pläne nicht stimmen - z.B. hinsichtlich vorhandener Leitungen unter der Straße. Und es bleibt auch nicht aus, dass bei der Menge und dem Aufwand der Maßnahmen auf allen Ebenen manchmal ein Fehler passiert.
Was passiert im Hochwasserschutz?
Im Juni 2026 hat der Stadtrat das fertiggestellte Hochwasserschutzkonzepte für die Stadt Bad Münstereifel beschlossen. Es beinhaltet 20 Maßnahmen, größtenteils Rückhaltebecken, außerdem Schutzwälle, verbesserte Gewässerabflüsse und kleinere Maßnahmen, die sich in die natürlichen Gegebenheiten des Waldes einpassen. Die Rückhaltebecken unterschiedlicher Größe werden nur bei Hochwasser eingestaut. Eine land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Flächen bleibt somit grundsätzlich möglich. Das gesamte Retentionsvolumen liegt bei bis zu 500.000 m³.
Mit den Maßnahmen können Schäden, die ein Hochwasser, das statistisch gesehen alle 100 Jahre vorkommt (HQ100), im Vergleich zur bisherigen Situation erheblich gemindert werden. Auch bei einer Flut wie 2021 können Schäden verringert werden. Aber bei diesen Wassermassen handelt es sich um eine Naturgewalt, gegen deren Auswirkungen ein vollständiger Schutz technisch schlichtweg nicht möglich ist. Die Maßnahmen des Konzepts gehen nun in die konkreten Bauplanungen und Umsetzungen.
Die Arbeiten am Konzept haben 2,5 Jahre gedauert. Warum hat das so lange gedauert? Es gibt mehrere Gründe. Alle Maßnahmen müssen sorgfältig geplant und mit den anderen abgestimmt sein, damit alles zusammen wirkt. Wenn das nicht geschieht, kann zum Beispiel ein Becken, das an einer Stelle das Wasser zurückhält, an einer anderen Stelle sogar neue Probleme verursachen. Deshalb wurden für das Konzept Kartierungen der Schäden von 2021 erstellt und ausgewertet und in Workshops die Erfahrungen der Bürger eingeholt und ausgewertet. Ein Großteil der Flächen im Einzugsgebiet der Erft wurden hinsichtlich Wassermengen und Fließrichtungen für verschiedene Hochwasserszenarien detailliert analysiert und kartiert. Das geschah nicht nur für die Gewässer selbst, sondern auch für die überfluteten Gebiete. Mit der Erstellung des Konzepts wurde ein Fachbüro beauftragt, aber auch Mitarbeitende der Stadtverwaltung sind sehr zeitintensiv eingebunden. Hier schlägt sich das Problem des fehlenden Personals wieder nieder.
Weitere Informationen: Kommunales Hochwasserschutzkonzept (Link)