Die etwas längere Vorgeschichte
Es gilt als eines der schönsten Rathäuser im Rheinland. Durch seine rote Farbe und die Gliederung der Fassade fällt es besonders ins Auge.
Entstanden ist das Gebäude in zwei Bauphasen. Während man über die Errichtung der linken / östlichen Hälfte nur Vermutungen anstellen kann, lässt sich die Bauzeit des rechten / westlichen Teils genau datieren.
Der ältere Teil mit dem Stufengiebel und dem Portal war ursprünglich das Gewandhaus der Wollweber. Über der kleinen Tür links vom Portal findet man die Wappen des Herzogs von Jülich und der Stadt Bad Münstereifel. Dieser Flügel ist 1476 erstmals schriftlich belegt. Man spekuliert, dass er um 1350 errichtet wurde.
Beim Flügel mit den Arkaden und dem darüber liegenden Historischen Sitzungssaal sind wir genau informiert. Begonnen wurde er im Jahr 1550 und 1551 fertig gestellt. Eingeweiht wurde er am 27. September 1551 mit einer Ratssitzung, in der traditionell die jährliche Bürgermeisterwahl stattfand.
Denkt man sich das gegenüber dem Rathaus stehende, sehr viel später errichtete Haus Kolvenbach weg, so wird deutlich, dass das Rathaus ursprünglich im direkten Sichtbezug mit der Stifts- und Pfarrkirche St. Chrysanthus und Daria stand. Dort das geistliche, spirituelle Zentrum, – hier die administrative Schaltzentrale – und dazwischen der Markt als das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt. Diese Anordnung findet sich in den meisten mittelalterlichen Stadtkernen. Man kann sie als Masterplan einer Mittelalterstadt bezeichnen.
Das Rathaus war Ausdruck wirtschaftlicher Macht und bürgerlichen Selbstbewusstseins. Daher hatte der Anbau auch einen Turm mit einer eigenen Uhr – und dieser Turm war selbstverständlich höher als das Westwerk der Stiftskirche mit der Kirchenuhr.
1794 aber waren der Turm und das Rathaus baufällig. Man wollte es abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Ehe es dazu kam, marschierten die Franzosen im Rheinland ein und in den kommenden 20 Jahren der französischen Besatzung hatte man andere Probleme, als ein neues Rathaus zu errichten.
1821 schließlich verkaufte die Stadt das Gebäude an die Bierbrauerfamilie Hendrichs, die im ehemaligen Rathaus ein Malzlager einrichtete. Das war praktisch, denn gleich links daneben war der Ratskeller, der familieneigene Brauerei-Ausschank.
Ab 1881 entdeckte man das historische Ortsbild als das Kapital der Stadt. Man begann, das Stadtbild zu pflegen, weil man um Touristen als Einnahmequelle warb. 1904 kaufte die Stadt Münstereifel das Rathaus zurück. Bis zum Beginn der Renovierung sollten dann aber noch 22 Jahre vergehen. Von 1926 bis 1930 dauerte die Restaurierung, die in der Obhut von Regierungsbaumeister Stahl lag.
Die Wiedereröffnung des Rathauses am 28. Dezember 1930
Der Anlass war so bedeutend, dass das Sitzungsprotokoll entgegen den sonst üblichen Gepflogenheiten vom Bürgermeister, dem Beigeordneten und allen elf anderen Stadtverordneten unterzeichnet wurde. Zur Erinnerung an den besonderen Tag wurden auch zwei Fotografien aufgenommen. Das erste Bild zeigt den Rat bei der Sitzung im historischen Sitzungssaal, während der Rede von Bürgermeister Dr. Gierlichs; das zweite Foto dokumentiert den kompletten Rat mit einem Gruppenfoto vor dem restaurierten Rathaus.
Da es sich um die 1. Sitzung im restaurierten historischen Rathaus handelte, war neben dem Rat auch Oberpfarrer Mertes eingeladen. Er weihte die Räume des Hauses und übergab als Geschenk der Pfarrgemeinde ein altes, wertvolles Kruzifix.
Nach dem geistlichen Akt ergriff Bürgermeister Dr. Gierlichs das Wort. Mit pathetischen Formulierungen erinnerte er an zwei Personen, die sich dem Rathaus besonders verbunden fühlten, dessen Wiederherstellung aber nicht mehr miterlebten. Es waren dies Studienprofessor Karl Hürten, dessen Volkstümliche Geschichte der Stadt Münstereifel 1926 postum vom Eifelverein herausgegeben wurde, und Landesökonomierat Dr. h.c. Krewel. Beide Männer kannten das Rathaus bereits seit ihrer Schulzeit am St.-Michael-Gymnasium, an dem sie auch ihre Reifeprüfungen ablegten. Krewel war der erste Vorsitzende des 1925 gegründeten Vereins Alter Münstereifeler; Hürten gehörte als Schatzmeister dem 1906 ins Leben gerufenen Verein für Denkmalpflege an. Dieser Honoratiorenverein kümmerte sich von 1907-1910 um die erste Sanierung der Münstereifeler Stadtmauer und eröffnete 1912 im Orchheimer Tor das erste Lokalmuseum, dessen Triebfeder Hürten war. Dr. Gierlichs nannte Hürten und Krewel die „beiden wärmsten Befürworter zur Restaurierung des alten Rathauses“, denen der Dank der Stadt gelte.
Dank – so Dr. Gierlichs – gelte auch weiteren Personen und Behörden, insbesondere dem Landeshauptmann, dem Regierungspräsidenten, dem Provinzialkonservator und dessen Mitarbeitern, sowie der vorherigen und der gegenwärtigen Stadtverordnetenversammlung. Einen besonders wichtigen Protagonisten nannte Bürgermeister Dr. Gierlichs dann doch noch namentlich: Regierungs-Baumeister Stahl, ohne dessen umsichtige und sachkundige Planung und Überwachung die Restaurierung nicht möglich gewesen wäre.
Stahl rekonstruierte damals die beiden Erker und den Stufengiebel. Auf die Rekonstruktion des Rathausturmes wurde verzichtet. Der frühere Balkon, den man durch den Sitzungssaal im 1. Obergeschoss betreten konnte, erstreckte sich ursprünglich über die gesamte Front des Anbaus von 1550/51. Auf einem Aufmaß von 1905 war er als auf zwei Konsolen ruhender Mini-Balkon vor der Tür des Sitzungssaales geplant. Ausgeführt wurde er indes nicht mehr. Nach Abschluss der Restaurierung brachte man vor der Tür im 1. Obergeschoss nur ein einfaches Gitter an.
Die Restaurierung stellte also in der Rückschau einen Kompromiss zwischen Rekonstruktion und Konservation dar. Aktuell würde die Denkmalpflege die Rekonstruktion des Stufengiebels und der Erker als historisierend ablehnen.
Bürgermeister, Beigeordneter und Stadtverordnete des Jahres 1930 wussten die Leistungen und Verdienste des Regierungs-Baumeisters Stahl nicht nur zu schätzen, sondern auch zu würdigen.
Im weiteren Verlauf seiner Rede ging Bürgermeister Dr. Gierlichs besonders auf die schwierige Lage ein, in der sich die Stadt nach dem Krieg wiedergefunden hatte und sich seit dem Börsencrash vom Oktober 1929 aktuell wieder befand. Den Rat und die Verwaltung rief er zu Zusammenhalt und verantwortungsbewussten Handeln auf. Nachdem er seine Rede beendet hatte, führte er die „Geladenen durch die einzelnen Räume, die in allem zweckentsprechend aufgeteilt, hergerichtet und modern ausgestattet befunden wurden.“
Das Ratsprotokoll unterzeichneten:
Dr. Gierlichs, Bürgermeister und Ratsvorsitzender, und die Stadtverordneten Gustav Laue (Beigeordneter und somit allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters), Ludger Steinmann, Peter Nauheim, Franz Rickert, Oskar Nathan, Josef Pauli, Christian Brück, Josef Meiers, Carl Bollenrath, Dr. Bernhard Temming, Theodor Dillenburg und Peter Faß.
Das Ratsprotokoll vom 28. Dezember 1930 in der kompletten Abschrift...