Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des städtischen Forstbetriebs gehen ihrer Arbeit gerne nach. Dabei ist es ihnen auch ein Anliegen, den Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln, dass ihr Arbeitsort ein ganz besonderer und wichtiger ist. Julia Bongartz, Försterin des Reviers Nord, bietet deshalb mindestens einmal im Quartal rund zweistündige, geführte Wanderungen an – so auch am Samstag, 25. März. „Sie sind von der Strecke her recht kurz, da ich viel erkläre oder kleine Aktionen anbiete“, sagt die Revierförsterin über die Wanderungen. „Diese Aktionen sprechen alle Sinne an. Die Frühjahrswanderung war für alle Sinne und hat sehr guten Anklang gefunden“, berichtet sie erfreut. Diesmal ging es um das Thema Frühling und – damit verbunden – um alles, was im Wald gerade passiert. So stellte Julia Bongartz den rund 30 Wanderinnen und Wandern Frühblüher wie Buschwindröschen, Lungenkraut, Immergrün und Huflattich vor und machte sie auf den Laubaustrieb an den Laubbäumen und an der Lärche aufmerksam. Ebenso sensibilisierte sie die Teilnehmer auf den Nachwuchs bei Rehen, Hasen und Amphibien. „Wir konnten sogar schon Laich in den wasserführenden Gräben und den Fahrspuren im Wald entdecken“, so die Försterin erfreut.
Außerdem erklärte sie, welche Arbeiten im Forstbetrieb aktuell anstehen – zum Beispiel die Kontrolle der Fichten auf den Befall des Borkenkäfers, der jetzt wieder fliegt, und die Frühjahrspflanzung. Bei letzterer durften die Teilnehmer sogar selbst anpacken. Als Überraschung hatte Julia Bongartz 25 Sumpfeichen (lat. Quercus palustris) vorbereitet, die gemeinsam gepflanzt wurden. Dazu erhielten die Teilnehmer eine kurze Erklärung zum Pflanzverfahren im Wald. Wie wird die Technik an die Form der Wurzel angepasst? Warum und wie werden Nadelstreu und Äste entfernt, bevor das Pflanzloch ausgehoben wird? Wie wird die Erde angedrückt, damit der Baum Wasser über die Wurzeln transportieren kann? Die Antworten von Julia Bongartz auf diese und weitere Fragen werden manchem Teilnehmer künftig sicher bei der Gartenarbeit helfen. Nachdem alle Pflanzen sorgfältig gepflanzt worden waren, haben die Teilnehmer zur Markierung Bambusstäbe dazu gesteckt und einen mechanischen Schutz mit der Sprühflasche angebracht. Bei dem sogenannten „Trico“ handelt es sich um ein verflüssigtes Schaffett mit Kalk, das die Rehe und Hirsche davon abhält, die Knospen zu fressen. „Das Mittel ist besonders umweltverträglich und lässt sich leicht anwenden“, erklärte die Försterin den Teilnehmern.
Bei der weiteren Wanderung ging es unter anderem um die vielen verschiedenen Nadelbaumarten, die im städtischen Wald aus den Samen der umstehenden Bäume wachsen. Den Prozess nennt man „natürliche Verjüngung“. Es gab den „Streichelbaum“, den der Botaniker unter den Begriffen Weymouthkiefer oder Strobe die (lat. Pinus strobus) kennt, zu befühlen. Die langen Nadeln sind ganz weich und seidig und die Zapfen sehen sehr schön als Dekoration aus – nicht nur zu Weihnachten. Den Merksatz „Die Fichte sticht, die Tanne nicht“ lernten die Teilnehmer, als sie ohne Pieksen durch eine dichte Verjüngung aus Großen Küstentannen gingen. Zum Vergleich wurde die pieksende Fichte befühlt. Die Große Küstentanne lernten die Teilnehmer zudem als Duftbaum kennen. Dazu wurden die Harzbläschen auf der Rinde angepiekt. Auch der Zitrusduft von Douglasiennadeln wurde demonstriert.
Interessantes über den Birkenporling berichtete und zeigte schließlich die zertifizierte Pilzcoachin Sandra Noßmann, die der Wanderung als Teilnehmerin beiwohnte.