Pfarrer Raschke (Evangelische Kirche) eröffnete die Gedenkfeier mit einer kurzen Ansprache und einem Gebet. Es folgte die Gedenkrede der Ortsverbandsvorsitzenden und Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian. Anschließend legte sie, unterstützt durch Mitglieder der St. Sebastianus Schützenbruderschaft, einen Gedenkkranz am Hochkreuz nieder. Herr Diakon Dr. Günzel (Katholische Kirche) sprach die Fürbitten und spendete den Segen.
Musikalische Beiträge der Eifeldombläser unterstützten den würdevollen Rahmen der Veranstaltung.
Rede der Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian:
„Sehr geehrter Herr Diakon Dr. Günzel, sehr geehrter Herr Pfarrer Raschke, liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder, liebe Feuerwehrkameradinnen und –kameraden, liebe Bürgerinnen und Bürger,
am Volkstrauertag begrüße ich Sie zur gemeinsamen Gedenkveranstaltung sehr herzlich. Der Volkstrauertag ist seit genau 100 Jahren die zentrale Veranstaltung zum Gedenken an die Gefallenen. Wir begehen ihn aus Tradition. Aber wir sind aufgerufen, diese Tradition stets mit neuen Inhalten zu erfüllen. Sonst verdorrt sie und wird zur bloßen Hülle. Seit 100 Jahren rufen wir am Volkstrauertag zur Versöhnung über den Gräbern auf. Vor genau 90 Jahren wurde in Münstereifel ein neues Ehrenmal vor dem Werther Tor eingeweiht. Maßgeblich beteiligt war damals der Kameradschaftliche Verein, der im Volksmund nur der Kriegerverein genannt wurde. Ich erwähne das hier aus zwei Anlässen: Die Darstellung der beiden Soldaten hier rechts von uns ist ein Relikt dieses Ehrenmals. Der damalige langjährige Vorsitzende des Kameradschaftlichen Vereins hieß Moses Wolff. Er wurde während des Zweiten Weltkrieges deportiert und ermordet.
Heute gedenken wir den Gefallenen der beiden Weltkriege, aber wir verehren sie nicht mehr als Helden. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wir sehen sie als Menschen, die im Krieg an der Front umgekommen sind, aber wir verklären ihren Tod nicht und überhöhen sie nicht mehr. Wir erinnern uns an die Zivilopfer und auch an die Kriegsgefangenen. Gleich hinter dieser Mauer ist die Gedenkstätte für die russischen Kriegsgefangenen, die kurz vor und zum Teil sogar nach dem Ende des Ersten Weltkrieges starben. Sie wurden Opfer der Spanischen Grippe, die unter anderem deshalb so verheerend verlief, weil die Menschen nach mehrjähriger Mangelernährung keine Abwehrkräfte mehr hatten. Wir denken aber nicht nur an die Verstorbenen, zu denen auch die Opfer politischer und rassischer Verfolgung gehören, sondern wir denken auch an die Überlebenden und an die Lebenden.
Wir denken an die Überlebenden, die durch die Verluste von Eltern, Geschwistern, Verwandten und Freunden seelische Verletzungen erlitten haben – und wir denken an die Lebenden, denn wir sind es, die aus dem Geschehenen lernen wollen. Wir fragen danach, was passiert ist. Wir stellen dabei nicht die Frage nach Schuld oder Nicht-Schuld. Das war einer der Kardinalfehler nach dem Ersten Weltkrieg, der unterlegenen Kriegs-Partei die alleinige Kriegsschuld zuzuweisen. Auch daraus erwuchsen Vorurteile und Hass, die schließlich zu Despotie, zum Zweiten Weltkrieg und zum Völkermord führten.
Hier, genau hier, und ganz bewusst heute sprechen wir dies aus. Wenn man wirklich aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen bereit ist, dann ist genau hier der passende Ort dafür. Hier verbindet sich das Finden der Vergangenheit mit dem Suchen für die Zukunft. Das ist einer der Gründe, weshalb wir der Erinnerungskultur in unserer Stadt einen großen Stellenwert einräumen.
Die Würde des Menschen ist ein so hohes Gut, dass die Mütter und Väter des Grundgesetzes sie als unveränderbaren Grundsatz in unsere Verfassung aufgenommen haben.
Hier stehen wir an den Gräbern von Menschen, deren Würde nicht geachtet wurde. Für uns ergibt sich daraus die heilige Pflicht, es anders zu machen, als die Menschen vor uns. Und genau in diesem Bewusstsein legen wir nun gemeinsam den Kranz nieder.“
Von der Standarte der Schützenbruderschaft angeführt gingen im Anschluss an die Gedenkveranstaltung Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr und des Eifelvereins, Vertreter der Politik, die Leiterin der städtischen Realschule sowie Bürgerinnen und Bürger durch die Wertherstraße zum Rathaus. Die musikalische Begleitung übernahmen auch hier, genau wie auf der Ehrenanlage des Friedhofes, die Eifeldombläser.