19.04.2026 - „Das ist wirklich körperlich anstrengende Arbeit“, sagt Gabi Schönemann, während sie eine Plastikkiste mit Lebensmitteln schleppt. Doch sie macht die Arbeit gerne – und sie macht sie ehrenamtlich. denn sie weiß, wie wichtig ihre Arbeit für viele Menschen ist. Gabi Schönemann ist stellvertretende Vorsitzende der Tafel Bad Münstereifel. Lebensmittel sind für die meisten Menschen in Deutschland ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Nicht bei allen jedoch reicht das Geld aus, um ihre Versorgung sicherzustellen.
Heute ist Bürgermeister Sebastian Glatzel zu Besuch. Er will sich ein Bild von der Arbeit des Vereins machen und packt selbst mit an, um die Ausgabe der Lebensmittel vorzubereiten. Von der ersten Minute an reiht er sich ins Team ein, füllt Kisten und Tüten und trägt sie an die richtige Stelle. Als er erfährt, dass die Lebensmittelausgabe erst nach seinem geplanten Termin beginnt, verlängert er seinen Besuch kurzerhand.
Bescheinigung der Bedürftigkeit notwendig
Am Eingang empfängt Gabi Schönemann die Kundinnen und Kunden. Hier erfolgt auch die Ausgabe der Lebensmittel. Ihre ruhige und freundliche, aber gleichzeitig strukturierte und bestimmte Art sorgt dafür, dass alles reibungslos funktioniert. „Wir betreuen insgesamt rund 200 Familien“, berichtet Gabi Schönemann. Voraussetzung für die Aufnahme sei eine Bescheinigung der Bedürftigkeit, wie es von der Tafel Deutschland empfohlen werde, erklärt sie. Auch heute kommt eine neue Kundin. Ruhig erklärt Gabi Schönemann die Abläufe und nimmt sie in die Kundenkartei auf. Die Verwaltung der Kundinnen und Kunden sowie der Ausgabe wird seit Kurzem digital geführt.
Jede Tafel strukturiert ihre Lebensmittelausgabe individuell. Das System der Bad Münstereifeler Tafel sorgt für eine möglichst faire und stressfreie Zuweisung. Kundinnen und Kunden melden sich vorab für einen Termin an. Die Lebensmittel werden entsprechend der Haushaltsgröße gleichmäßig auf Körbe verteilt und nummeriert. So entsteht kein Gedränge um die besten Produkte. Gabi Schönemann gibt die Nummern der Kunden an das Team weiter und innerhalb von Sekunden steht der richtige Korb auf dem Tisch. Waren, die nicht benötigt werden, können vor der Tür in einen Korb gelegt werden, sodass andere sie mitnehmen können. Ein Unkostenbeitrag in Höhe von fünf Euro pro Kunde hilft der Tafel dabei, die Kosten zu decken. Im Übrigen ist die Tafel auf Spenden angewiesen. „Als Stadt unterstützen wir die Tafel, indem wir ihr die von uns angemieteten Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung stellen“, sagt Bürgermeister Glatzel.
Die Körbe sind bunt bestückt. Obst und Gemüse, Kaffee, Süßigkeiten, Nudeln, Brot und vieles mehr sind dabei. Außerdem haben die Helfer kurz vor der Ausgabe Tüten mit tiefgekühltem Fleisch gepackt. Da die Tafel in der darauffolgenden Woche geschlossen hat, sind sie heute besonders gut gefüllt. Auch wenn bei einigen Lebensmittel das Haltbarkeitsdatum naht, ist alles noch problemlos verzehrbar. „Eine ältere Frau sagte mir, sie würde das Angebot der Tafel gerne nutzen, schäme sich aber“, berichtet Schönemann: „Ich habe ihr geraten, es unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zu sehen.“
Tafel sucht nach Unterstützern
Die Beschaffung der Lebensmittel wird für die Tafel schwieriger. Die Gründe sind vielfältig. „Nach der Flut konnten wir lange Zeit nicht aktiv sein“, sagt der Vorsitzende Joachim Pohl: „In diese Lücke sind dann andere gestoßen.“ Hinzu kommt, dass die Geschäfte überschüssige Ware zunehmend selbst vermarkten. Zudem reduzieren die digitalen Bestellsysteme des Einzelhandels mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) die Überschüsse, die der Tafel zur Verfügung gestellt werden, immer häufiger.
Rund 15 Ehrenamtliche engagieren sich aktuell bei der Tafel Bad Münstereifel – viele von ihnen mit großem zeitlichem Einsatz. Bei einigen könnte man von einem ehrenamtlichen Halbtagsjob reden. „Der Besuch heute hat mir noch einmal deutlich gezeigt, wie viel ehrenamtliche Arbeit hier geleistet wird. Ich danke den Menschen der Tafel dafür, dass sie vielen Mitmenschen im Alltag einen Lichtblick schenken“, sagt Bürgermeister Sebastian Glatzel. Der überwiegende Teil der Helferinnen und Helfer hat das 60. Lebensjahr überschritten. Sie wünschen sich dringend Unterstützung. „Vor allem montags und dienstags ab 9.30 Uhr brauchen wir Hilfe“, sagt Gabi Schönemann. „Wir freuen uns über jede Unterstützung – auch, wenn jemand nur ein- oder zweimal im Monat Zeit hat.“