Rückblende: Der 22. März 2020 bringt für die Menschen in Deutschland eine historische Zäsur. Mit diesem Tag treten die Regeln des ersten Lockdowns infolge der Corona-Pandemie in Kraft. Eine Branche, die es besonders hart trifft, ist das Gastgewerbe. Nach zehn Wachstumsjahren in Folge erleidet es den größten wirtschaftlichen Einbruch in der Nachkriegszeit. Es folgen zwei Jahre mit einem unsteten Wechsel von Schließungen und Öffnungen unter verschiedenen Auflagen. Nach rund zwei Jahren laufen die letzten Regelungen im März 2022 aus. Zu diesem Zeitpunkt kämpft das Gastgewerbe in Bad Münstereifel mit viel verheerenderen Problemen. Die Flutkatastrophe hat viele Gaststätten, Hotels und Gästezimmer im gesamten Stadtgebiet zerstört. Und den intakten Betrieben bleiben die Gäste aus.
Rund vier Jahre nach der Flut sind viele Betriebe wieder am Start, und das Interesse der Gäste ist zurückgekehrt. Das spiegeln die Erfahrungen der Tourist-Info im Bahnhof und vieler heimischer Akteure der Tourismusbranche wider. Eine hohe Nachfrage verzeichnet die Tourist-Info zum Beispiel nach dem Wohnmobilhafen hinter dem Eifelbad – und das unabhängig von den Temperaturen. Sowohl im Winter – vor allem zum Weihnachtsmarkt – als auch in den Sommermonaten besteht hohes Interesse seitens der „Wohnmobilisten“. Durch die Flutkatastrophe war der Wohnmobilhafen schwer beschädigt worden und daher rund vier Jahre nicht nutzbar. Dennoch blieb Bad Münstereifel bei Wohnmobilreisenden beliebt. Die Stadt ermöglichte ihnen, alternativ den Parkplatz vor dem Eifelbad zu nutzen. Seit Kurzem ist der Wohnmobilhafen wieder zugänglich. Es ist ein deutliches Interesse jeglicher Art von Besuchern zu verzeichnen. Sowohl Tages- als auch Übernachtungsgäste kommen gerne in die Kurstadt. Die Übernachtungsbetriebe verzeichnen eine hohe Auslastung. Bei der Tourist-Info haben sich in diesem Jahr bereits etliche neue Gastgeber gemeldet, die Ferienwohnungen anbieten wollen. Die Nachfrage ist gegeben – vor allem für zwei- bis dreitägige Kurztrips.
Hohes Interesse an Stadtführungen
Für Tagesgäste ist die Tourist-Info im Bahnhof eine wichtige Anlaufstelle. Die Mitarbeiterinnen stellen eine wachsende Zahl an Tagesgästen fest. Busreiseunternehmen bieten nach wie vor gerne Touren nach Bad Münstereifel an. Zur Deckung der Nachfrage müssen die Unternehmer öfters mehr als einen Bus einsetzen. Ebenso groß ist das Interesse an den Stadtführungen durch die historische Stadt. Das Portfolio an Themenführungen ist breit gefächert. Inzwischen wird auch eine Führung angeboten, die sowohl die positiven als auch die negativen Aspekte von Wasser für die Stadt beleuchtet. Sie reichen von den Gerbereien, die der Stadt Wohlstand brachten, bis hin zu den Flutkatastrophen der vergangenen Jahrhunderte. Im Zeitalter des Smartphones bietet die Stadt auch eine digitale Führung an.
Neben der historischen Altstadt mit dem City Outlet bietet das Stadtgebiet mit dem Radioteleskop in Effelsberg und dem Astropeiler Stockert bei Eschweiler nicht nur für Technikbegeisterte zwei außergewöhnliche Bauwerke der Ingenieurskunst. Umgeben ist alles von üppiger Natur. Eine Kombination von Stadtbesuchen mit Wanderungen oder Radtouren durch die Umgebung bietet sich an. Daran verzeichnet die Tourist-Info ein großes Interesse. Durch das Stadtgebiet führen zum Beispiel zwölf EifelSchleifen und zwei EifelSpuren. Eine hohe Nachfrage wird auch durch Radfahrer registriert. Durch das Stadtgebiet führen unter anderem zwei EifelRadSchleifen. Auch ein Interesse an Mountainbike-Routen stellt die Tourist-Info fest. „Hier müssen wir unser Management allerdings noch ausbauen“, sagt TI-Mitarbeiterin Sonja Aufdermauer. Auch die Begleitung der Wanderwege kann noch optimiert werden. Noch konnten nicht alle Flutschäden beseitigt werden. Problematisch für den Tourismus in der Stadt ist der fehlende Bahnverkehr, der seit der Flutkatastrophe 2021 aufgrund von Schäden eingestellt ist. Nach Aussage der Bahn sollen die Züge im Winter dieses Jahres wieder fahren.
„Ich freue mich sehr, dass wir im Tourismus inzwischen einen besseren Stand wie vor der Flut erreicht haben. In dieses Ergebnis haben die Akteure der heimischen Tourismusbranche und die Stadt sehr viel Arbeit gesteckt“, sagt Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian. „Wir wissen aber auch, dass es noch Baustellen gibt, die es zu bearbeiten gilt, um den Tourismus noch weiter voranzubringen.“ So gelte es zum Beispiel, touristische Produkte kreisweit und interkommunal zu schnüren.