03.12.2025 - Die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren – kurz G9 – bedeutet für die gymnasiale Oberstufe, dass sie insgesamt von mehr Schülerinnen und Schülern besucht wird als bislang. Für das St.-Michael-Gymnasium heißt das: Es muss mehr Platz her. Um den zu schaffen, wird die bisherige Lehrerbibliothek der Schule in einen weiteren Klausurraum umgewandelt. Bevor der Umbau starten kann, muss die Bibliothek ausgeräumt werden. Das ist die Aufgabe von Stadtarchivarin Anna Rosemann, die dabei von Michaela Kirchner unterstützt wird.
Mehr als 10.000 Bücher sind hier auf zwei Stockwerken in Regalen aufgereiht. Gesammelt wurden hier Bücher seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Wie der Name bereits vermuten lässt, war sie insbesondere als Fundgrube des Wissens für die Lehrkräfte des Gymnasiums gedacht. In Zeiten des Internets wird sie jedoch nur noch selten genutzt, sodass die letzten Neuanschaffungen vor rund 15 Jahren getätigt wurden.
Wissenschaftlicher Stand oft veraltet
Aufgereiht sind insbesondere Lehrbücher zu verschiedenen Themen. Ihr wissenschaftlicher Stand ist meistens längst veraltet. Auch Belletristik sowie ganze Klassensätze der Klassiker der Weltliteratur finden sich dort. Einen großen Anteil nehmen Bücher zu religiösen Themen ein. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung benötigt Anna Rosemann oft nur wenige Sekunden, um abzuschätzen, ob ein Buch erhaltenswert ist. Schnell entscheidet sie, ob es in der Sammlung verbleibt, für Antiquariate oder andere Archive interessant sein könnte oder auf zur Entsorgung vorgesehenen Stapel landet.
Doch nach welchen Kriterien geht die Archivarin vor? „Grundsätzlich sind wir verpflichtet, alle Bücher, die bis einschließlich 1850 gedruckt wurden, aufzubewahren. Wir haben uns entschieden, alle Bücher bis 1862 zu behalten. In diesem Jahr endete die Zeit von Rektor Jakob Katzfey, der die Schule über mehrere Jahrzehnte geleitet hatte“, erklärt sie. Katzfey ist für die Schule von großer Bedeutung, da er das St.-Michael-Gymnasium nach der Zeit der französischen Besatzung wieder zu einem herausragenden Ruf brachte. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Seltenheit eines Buches. So werden beispielsweise auch Bücher entsorgt, die Ende des 19. Jahrhunderts als Massenware für den Schulunterricht gedruckt wurden. Aber auch neuere Bücher bleiben erhalten. Beiseite legt Anna Rosemann etwa alle Werke zur Bad Münstereifeler Regionalgeschichte, aber auch zur Regionalgeschichte anderer Orte. Letztere möchte sie entsprechenden Archiven anbieten. Auch Festschriften und Kataloge zu bestimmten Anlässen werden aufbewahrt. Überrascht ist die Archivarin, als sie das Regal mit den Veröffentlichungen aus der NS-Zeit sichtet. „In vielen Büchereien wurden diese Schriften nach dem Krieg entsorgt“, sagt sie: „Ich vermute, dass sie hier mit der Zeit einfach vergessen wurden.“ Auch diese Schriften werden aufbewahrt.
Benachbarte Jesuitenbibliothek bleibt unberührt
„Wir hätten den Bürgerinnen und Bürgern gerne die Möglichkeit gegeben, Bücher mitzunehmen. Aber aus organisatorischen Gründen und aufgrund der Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen für die Bibliothek war das leider nicht möglich“, erklärt Anna Rosemann. Außerdem zeige die Erfahrung, dass zwar viele Menschen bedauern, wenn alte Buchbestände entsorgt werden. Das Interesse, selbst Exemplare zu übernehmen, halte sich aber meist in Grenzen. Titel wie „Das kleine Buch der Dichterbilder“ oder die theologische Schrift „Wissen Sie Bescheid?“ dürften kaum Neugier wecken.
Unberührt von der Räumungsaktion bleibt die historische Jesuitenbibliothek im Nachbarraum. Hier stehen Bücher, die bereits von den Jesuiten, die das St.-Michael-Gymnasium vor 400 Jahren gründeten, in die Sammlung aufgenommen wurden. Die ältesten Werke, die hier zu finden sind, stammen aus dem 15. Jahrhundert oder noch früheren Jahren.