Frauen hatten bereits früh bedeutenden Anteil an der Entwicklung unserer Stadt. Dank Margareta Lynnerie gibt es eine lange Tradition als Standort für Mädchenbildung. Sie gründete Ende des 16. Jahrhunderts in ihrem Elternhaus Zum Salvator in der heutigen Kapuzinergasse eine Einrichtung zur elementaren Mädchenbildung. Damit legte sie die geistige und finanzielle Grundlage für eine Wohn-, Lebens- und Arbeitsgemeinschaft von Lehrerinnen, so dass sich nach ihrem frühen Tod eine Mädchenschule entwickeln konnte.
Die Autorin Gisela Arnold erinnert an eine Frau, die mit Mut und Gottvertrauen einen selbstbestimmten Lebensplan als unverheiratete Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft realisierte. Sie engagierte sich finanziell und durch hohen persönlichen Einsatz, selbst bescheiden lebend, für Mädchenbildung und Fürsorgewesen in der Stadt. Sie erwarb sich damit hohen Respekt und wurde als Wohltäterin in Ehren gehalten; eine Straße ist nach ihr benannt.
Etwa 100 Jahre später ermöglichte Stiftsherr Chrysanth Wilhelm Schmitz die Einrichtung einer zweiten Mädchenschule im Haus Zum süßen Namen in der Werther Straße. Die beiden Schulen wirkten ohne städtischen Zuschüsse. Die Mädchen zahlten kein Schulgeld für die Ausbildung in Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen und Handarbeiten. Sie wurden unabhängiger, konnten Schriftverkehr des häuslichen Betriebes lesen und Rechnungsbücher führen. Die Fertigkeiten in Handarbeiten dienten dem Haushalt, aber auch, um eigenen Lebensunterhalt zu erwerben.
Sabine Preiser-Marian bedankte sich für die Übergabe des Buches und ist überzeugt, dass das Wirken von Margareta Lynnerie vielen Frauen – nicht nur aus Bad Münstereifel – ein Vorbild sein wird.
Der Beitrag ist Teil des von Frau Dr. Gabriele Rünger herausgegebenen Buchs Frauen. Zwischen Fremd- und Selbstbestimmung (Geschichte im Kreis Euskirchen. Jahresschrift 32, 2018 des Geschichtsvereins des Kreises Euskirchen e.V.).
Die Fortsetzung für das 19./20. Jahrhundert, gemeinsam mit Gabriele Rollfing-Schmitz verfasst, folgt im nächsten Band.