10.11.2025 - An der Stelle der ehemaligen Synagoge in der Orchheimer Straße erinnerte Bürgermeister Sebastian Glatzel gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Münstereifeler Schulen an die Ereignisse des 10. November 1938. An diesem Tag erreichten die Novemberpogrome, die im gesamten Deutschen Reich am 9. November begonnen hatten, auch Münstereifel. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 seien im ganzen Land Synagogen und jüdische Geschäfte in Brand gesetzt und zerstört worden, sagte der Bürgermeister. In Münstereifel wurde die Synagoge aus Angst vor einer Ausdehnung der Flammen auf die Nachbarschaft zwar nicht in Brand gesteckt. Geschändet wurde sie aber dennoch. Außerdem richtete sich die Gewalt in Münstereifel „in den Straßen, in den Häusern, mitten unter den Nachbarn“ gegen die Einwohner jüdischer Herkunft.
Am Nachmittag des 10. November 1938 drangen SA-Männer, unterstützt von Zivilisten, in die Kaufhäuser Nathan und Wolff in der Orchheimer Straße ein, zertrümmerten Schaufenster und Einrichtung und warfen die Waren auf die Straße. Am Abend setzten sich die Übergriffe in Kirspenich und an mehreren Orten in Münstereifel fort. Besonders erschütternd, so Glatzel, sei das Schicksal der Familie Isay, die erst kurz zuvor in die Stadt gezogen war und brutal aus ihrem Haus vertrieben wurde. Der Bürgermeister erinnerte auch an Daniel Moses Wolff und seine Ehefrau Sibilla Wolff, die 1942 im Vernichtungslager Maly Trostinez ermordet wurden. Daniel Wolff sei ein engagierter Bürger gewesen – Mitbegründer des Männergesangvereins „Liedertafel von 1881“, Mitinitiator der Freiwilligen Feuerwehr und zeitweise Vorsteher der jüdischen Gemeinde. Die Erinnerung an die jüdischen Opfer werde heute durch die in der Stadt verlegten Stolpersteine wachgehalten, betonte Glatzel.
„Ich freue mich sehr, dass Schülerinnen und Schüler der städtischen Realschule und des St.-Michael-Gymnasiums sich dazu bereit erklärt haben, diese Steine heute zu putzen. Der Dank gilt auch dem Lehrerkollegium der Grundschule in Arloff, das in ihrem Ort heute ebenfalls Stolpersteine gereinigt hat“, sagte der Bürgermeister. Das Putzen der Stolpersteine sei „mehr als nur eine Geste“ – es sei ein Zeichen des Respekts und ein bewusstes Hinwenden zu den Opfern. In der Heisterbacher Straße reinigte Glatzel selbst zwei Stolpersteine, die an Daniel und Sibilla Wolff erinnern
Ebenfalls in der Heisterbacher Straße wohnte die Familie von Michael Meyer. Urgroßvater Theodor Jülich, der nach dem Tod seiner Frau gemeinsam mit seiner Tochter und deren Mann in dem Haus lebte, war ebenfalls jüdischer Herkunft und musst unter den Repressionen leiden, wurde schließlich deportiert und ermordet. Michael Meyer setzt sich intensiv für die Erinnerung an die Opfer der Shoah in Münstereifel ein und schilderte in seiner Ansprache unter anderem eindringlich, wie seine Mutter als junges Mädchen die Ankunft der SA vor den Geschäften in der Orchheimer Straße mitbekam.
Zum Abschluss rief Glatzel dazu auf, aus der Erinnerung Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen: „Der Holocaust begann nicht in den Vernichtungslagern, sondern mit Ausgrenzung, mit Hass – und mit dem Schweigen, wo Widerspruch nötig gewesen wäre. Erinnerung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, damit Ausgrenzung, Hass und Gewalt niemals wieder unser Handeln bestimmen.“