02.04.2026 - Die Stadt Bad Münstereifel hat einen wichtigen Schritt zur Verbesserung des Hochwasserschutzes unternommen: Mit dem Entwurf des kommunalen Hochwasserschutzkonzeptes des Planungsbüros Okeanos liegt nun ein umfassender Maßnahmenkatalog vor, der gezielt auf die Erfahrungen der Flutkatastrophe 2021 reagiert. Das Konzept wurde in der jüngsten Sitzung des Stadtrates vorgestellt. nNun folgen politische Beratungen. Ein Beschluss zum Konzept soll bei der nächsten Ratssitzung am 19. Mai 2026 auf der Tagesordnung stehen.
20 konkrete Maßnahmen
Insgesamt weist der Entwurf 20 konkrete Maßnahmen aus. Ziel ist es, den Schutz vor sogenannten HQ100-Ereignissen – also Hochwasser, wie es statistisch einmal in 100 Jahren auftritt – deutlich zu verbessern. Auch bei kleineren Hochwasserlagen sollen die Maßnahmen deutliche Wirkung zeigen. Gleichzeitig sollen durch viele der Maßnahmen Erosionen reduziert und vom Wasser mitgespülte Materialein wie Erde, Steine und Äste zurückgehalten werden. Allerdings lassen die Gegebenheiten in manchen Orten – insbesondere Gilsdorf – keinen vollständigen Schutz vor einem HQ100 zu. Die Auswirkungen können jedoch in allen Orten gemindert werden. Die Maßnahmen wurden vom Erftverband und der Unteren Wasserbehörde bereits geprüft.
Nicht im städtischen Konzept aufgeführt ist das Rückhaltebecken „Möschemer Mühle“, das am Eschweiler Bach in Höhe des Gewerbegebiets entstehen soll. Es handelt sich hierbei um eine Maßnahme des Erftverbands, die aber bei der Erstellung des Konzepts der Stadt berücksichtigt wurde.
Ganzheitlicher Ansatz für das gesamte Stadtgebiet
Das Konzept betrachtet alle von der Flut 2021 betroffenen Ortslagen im Einzugsgebiet der Erft. Dabei wurde das Stadtgebiet in drei Teileinzugsbereiche gegliedert:
- Erft und Nebengewässer oberhalb des Hochwasserrückhaltebeckens Eicherscheid
- Erft und Nebengewässer unterhalb des Hochwasserrückhaltebeckens Eicherscheid bis zur Mündung Eschweiler Bach
- Eschweiler Bach und Hauptlauf der Erft ab Iversheim
Zudem wurden die Maßnahmen in drei Priorisierungsstufen unterteilt (siehe Präsentation des Hochwasserschutzkonzeptes). Nicht alle 20 Maßnahmen können gleichzeitig umgesetzt werden. Um die Schutzwirkungen möglichst frühzeitig auf ein großes Gebiet zu erstrecken, sieht das Konzept daher vor, Maßnahmen aus jedem der drei Bereiche parallel anzugehen.
Schwerpunkte in besonders betroffenen Ortslagen
Besonders hervorgehoben werden Maßnahmen in Schönau, Arloff-Kirspenich, Iversheim, Gilsdorf und der Kernstadt, die besonders stark vom Hochwasser betroffen waren. Die Maßnahmen bieten aber Schutz in allen Ortslagen.
| Arloff-Kirspenich | Bei einem HQ100 ist der Doppelort vor allem links der Erft auf großer Fläche betroffen. Die Erft sucht ihr altes Bett. Massive Überflutungen sollen durch Hochwasserschutzdeiche am Hammerwerk und an der Münstereifeler Straße erheblich gemindert werden. In Kirspenich kann der Durchfluss der Erft erhöht werden, indem das Bachbett zur Kastenform vergrößert wird. Drei kaskadenartig angeordnete Rückhaltebecken im Einzugsgebiet des Namenlosen Grabens zwei kaskadenartige Rückhalteräume entlang des Holzbachs können weitere Entlastung bringen. |
| Eicherscheid | Das bestehende Hochwasserrückhaltebecken bietet bereits eine gute Schutzwirkung. Es können bestehende Strukturen im Bodenbachtal reaktiviert werden, die vor allem dem Rückhalt von Geschiebe dienen. |
| Gilsdorf | Hier steht die Verbesserung der Abflussleistung innerhalb des Ortes sowie die Reduzierung von Geschiebe (Steine, Erde, Holz, …) aus dem Hornbachtal im Fokus. Vorgesehen ist eine Kombination aus einem Rückhaltebecken und kaskadenartigen Bauwerken. |
| Iversheim | Der Fokus liegt auf den Schutz durch das geplante Rückhaltebecken Möschemer Mühle des Erftverbandes. Weitere Entlastung sieht das Konzept in der Reaktivierung des bestehenden Regenrückhaltebeckens „Alte Landstraße“. |
| Kernstadt | Maßnahmen wie Rückhaltebecken, die Nutzung natürlicher Retentionsräume und Rückhaltungen nahe des Forstes sollen insbesondere kritische Bereiche wie das Goldene Tal und das Schleidtal – und somit auch die Innenstadt – entlasten. |
| Schönau | Hier besteht ein hohes Gefährdungspotenzial durch gleich mehrere Gewässer – Erft, Bülgesbach und Dreisbach. Geplant sind unter anderem mehrere Hochwasserrückhaltebecken (HRB), die das Risiko deutlich reduzieren können. Dadurch sollen flächige Überschwemmungen verhindert und das Risiko für private Haushalte deutlich gesenkt werden. Im Ort sollen Hochwasserschutzmauern das Wasser des Lückenbachs zurückhalten. |
Naturnaher Hochwasserschutz als Leitbild
Neben diesen konkreten Maßnahmen empfiehlt das Konzept zudem naturnahen Ingenieurbau im Forst. Ziel sollte es sein, Hochwasserschutz, ökologische Aspekte und landschaftliche Gestaltung in Einklang zu bringen.