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Gedenken zum Volkstrauertag

Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian steht auf dem Friedhof an einem Notenpult und hält eine Ansprache. Rechts von ihr steht der evangelische Prädikant Achim Reichert, rechts neben diesem wiederum steht der katholische Diakon Dr. Ulrich Günzel.

Auf dem Friedhof hielt Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian eine Ansprache zum Volkstrauertag. Der katholische Diakon Dr. Ulrich Günzel (l.) und der evangelische Prädikant Achim Reichert (M.) trugen ebenfalls zur Zeremonie bei. Foto: Lanzerath/Stadt Bad Münstereifel

Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian, Diakon Dr. Ulrich Günzel und Prädikant Achim Reichert stehen vor dem Steinkreuz auf dem Friedhof. Ihnen zugewandt stehen neben dem Steinkreuz zwei Vertreter der Schützenbruderschaft. den Kranz zum Gedenken an die Verstorbenen der beiden Weltkriege nieder.

Die Schützen legten gemeinsam mit Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian, begleitet vom katholischen Diakon Dr. Ulrich Günzel (2.v.l.) und dem evangelischen Prädikanten Achim Reichert (l.) den Kranz zum Gedenken an die Verstorbenen der beiden Weltkriege nieder. Foto: Lanzerath/Stadt Bad Münstereifel

Je ein Mitglied der St. Sebastianus Schützenbruderschaft steht rechts und links neben dem Ehrenkreuz auf dem Friedhof.

Mitglieder der St. Sebastianus Schützenbruderschaft neben dem Ehrenkreuz auf dem Friedhof. Foto: Lanzerath/Stadt Bad Münstereifel

Zum Volkstrauertag, der in diesem Jahr am Sonntag, 17. November, begangen wurde, hatte Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian im Namen des Ortsverbandes Bad Münstereifel im Volksbund Deutsche Kriegsgräbervorsorge, zur zentralen Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag auf den Friedhof von Bad Münstereifel eingeladen. Am Ehrenmal hielt sie eine Ansprache und legte mit Vertretern der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, dem katholischen Diakon Dr. Ulrich Günzel und dem evangelischen Prädikanten Achim Reichert den Kranz zum Gedanken an die Verstorbenen der beiden Weltkriege nieder. Zuvor waren die Versammelten, darunter Vertreter von örtlichen Vereinen, Politik, Schule und Kirche, zu Klängen der Eifeldombläser Houverath gemeinsam vom Bahnhof zum Friedhof gegangen. Auch in Eicherscheid und anlässlich der Kirmes ebenso in Rupperath hielt Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian die Ansprachen zur Kranzniederlegung am Volkstrauertag. Anbei lesen Sie die Ansprache zur Kranzniederlegung in Bad Münstereifel:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

vor mehr als 100 Jahren, am 5. März 1922, fand die erste Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Reichstag statt. 1919 hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Volkstrauertag als Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vorgeschlagen. Rund 17 Millionen Menschen kostete der Erste Weltkrieg das Leben, darunter fast zwei Millionen deutsche Soldaten. Eine unfassbare Zahl. Dass nur 20 Jahre später ein Krieg losbrach, in dem rund 65 Millionen Menschen starben, darunter rund 5,2 Millionen deutsche Soldaten, zeigt uns, wie zerbrechlich Frieden ist und wie schnell Menschenleben im Angesicht von Hass und Machtansprüchen geopfert werden können. Millionen von Menschen wurden durch die Ideologie des Nationalsozialismus‘ und durch den Krieg getötet. Dafür tragen wir heute keine Verantwortung. Im Wissen um die Geschichte tragen wir aber sehr wohl die Verantwortung, dieser Opfer zu gedenken. Und wir tragen die Verantwortung, gegen jede Form von Hass, Rassismus und Diskriminierung aufzustehen.

Der Volkstrauertag, wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich von einer Gedenkveranstaltung für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs zu einem nationalen Gedenktag für alle Opfer von Krieg und Gewalt. Opfer von Kriegen sind nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten: Frauen, Männer, Kinder, ganze Familien, die unsägliches Leid und Verlust erfahren mussten – und heute noch müssen. Wir gedenken heute all dieser Menschen, die im Angesicht von Krieg und Gewalt ihr Leben verloren haben. Wir gedenken derjenigen, die ein Leben lang mit den psychischen und physischen Wunden zu kämpfen hatten und haben. Und wir erinnern uns an all jene, die sich mutig für Frieden und Menschlichkeit eingesetzt haben beziehungsweise es immer noch tun – oft unter Gefahr für das eigene Leben.

Der Volkstrauertag fordert uns auf, die Vergangenheit nicht zu vergessen, sondern aus ihr zu lernen. Er mahnt uns, dass wir als Gesellschaft die Verantwortung für den Frieden tragen. Denn Frieden ist nicht selbstverständlich. Er muss immer wieder neu errungen, verteidigt und gepflegt werden. In den vergangenen Jahren haben wir sehr nah erlebt, wie fragil Frieden ist. Denken wir nur an die Ukraine, Israel und Gaza. Das Leben von Millionen Menschen ist bedroht. Jeder Mensch, den wir in unser Gedenken am Volkstrauertag einbinden müssen, ist ein Verlust zu viel. 

Deshalb bin ich stolz auf unsere Städtepartnerschaften mit Ashford und Fougères. Vor 80 Jahren standen sich Deutsche auf der einen sowie Engländer und Franzosen auf der anderen Seite gegenüber. Man muss es so drastisch formulieren: Sie töteten sich gegenseitig. Nur sieben Jahre nach dem Ende des verheerenden Weltkriegs fand 1952 der erste Jugendaustausch zwischen Münstereifel und Ashford statt. 1964 folgte die offizielle Verschwisterung. Für mich sind die Menschen, die damals aufeinander zugegangen sind, Vorbilder. Heute wird die Städtepartnerschaft zwischen Bad Münstereifel, Ashford und Fougères intensiv gepflegt und es sind viele Freundschaften entstanden. 

Leider erleben wir weltweit, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt zunehmend zerbricht. Auch in unserem Land. Ein großes Problem sehe ich in der Debattenkultur. Andere Meinungen und Lebensweisen als die eigene auszuhalten, fällt vielen Menschen immer schwerer. Auseinandersetzungen in der Sache fallen persönlichen Angriffen zum Opfer. Und leider auch immer öfter tätlichen Angriffen. Wie kann bei solchem Verhalten der gesellschaftliche Frieden gewahrt werden? Oder gar der Frieden zwischen den Völkern? Hier sind wir alle gefordert. Lasst uns auf Hass nicht mit Hass antworten, sondern mit Menschlichkeit und Besonnenheit. 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, unsere Geschichte lehrt uns, dass Frieden gewollt, gelebt und geschützt werden muss. Das funktioniert nur durch ein respektvolles Miteinander. Gerade jüngere Generationen erleben den Frieden oft als selbstverständlich. Ich wünsche mir, dass sie erkennen, dass Frieden ein zerbrechliches Gut ist, das sie bewahren müssen.

Wir wollen nun den Kranz niederlegen in Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt und Verfolgung. Und in Gedenken an diejenigen, die im Einsatz für den Frieden ihr Leben gaben. Lassen Sie uns dieses Gedenken als Verpflichtung mitnehmen, um auch in unserem täglichen Leben für eine friedliche, gerechte und menschliche Gesellschaft einzutreten.

Ich danke Ihnen.

 

Hier lesen Sie die Ansprache zur Krankniederlegung in Rupperath:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Rupperatherinnen und Rupperather,

am heutigen Kirmessonntag gedenken wir der Verstorbenen der beiden Weltkriege. Ich empfinde es als eine wichtige Tradition, dies am Kirmessonntag, der gleichzeitig der Volkstrauertag ist, zu tun. Vielleicht erinnert der ein oder andere sich noch an die Menschen, die wir hier im Geiste in unsere Mitte nehmen. Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist nun fast 80 Jahre her. Es leben nur noch wenige Augenzeugen der letzten Kriegsgeneration. Daher sehe ich es als bedeutenden Brauch, diese Kranzniederlegung zur Erinnerung fortzuführen, damit wir unsere Vorfahren und Familienmitglieder, die in den Kriegen ihr Leben gelassen haben, nicht vergessen. Dafür danke ich Ihnen.

Ich bin mir sicher, dass diese Menschen denselben Wunsch hatten, den wir heute haben: ein friedliches Leben ohne Gewalt und Krieg. Umso wichtiger ist es, dass wir uns regelmäßig daran erinnern, was geschehen ist, und uns bewusst machen, dass wir Verantwortung wir für die Zukunft tragen. Die Erinnerung ist umso dringender, da die Weltkriege zeitlich in immer weitere Ferne rücken – und gleichzeitig in erschreckender Weise aus den verschiedensten Richtungen Hass und radikale Gedanken erstarken. Im schlimmsten Fall münden sie in abscheulichen Taten. Das finde ich nicht hinnehmbar.

Doch was können wir dagegen tun? Wie können wir wehrhaft bleiben? Ich denke, eine Antwort finden wir hier in Rupperath: Zusammenhalt und Miteinander, wie wir es hier erleben. Die Solidarität und der Zusammenhalt, den wir in unserer Gemeinschaft pflegen, sind nicht nur während der Kirmeszeit, sondern das ganze Jahr über spürbar. Dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit kann dazu beitragen, Missverständnisse zu vermeiden und Konflikte zu lösen, bevor sie entstehen. Es zeigt, dass wir aus unserer Geschichte lernen und gemeinsam für eine bessere Zukunft arbeiten können.

Wenn wir es schaffen, in unseren Dörfern und Gemeinden eine starke, solidarische Gemeinschaft zu bilden, können wir zwar nicht die Krieg und Konflikte rund um den Globus verhindern, aber dazu beitragen, dass sie bei uns vor der Haustür keinen Nährboden finden. Frieden ist nicht selbstverständlich. Er muss immer wieder neu errungen, verteidigt und gepflegt werden. In den vergangenen Jahren haben wir sehr nah erlebt, wie fragil Frieden ist. Denken wir nur an die Ukraine, Israel und Gaza. Das Leben von Millionen Menschen ist bedroht. Jeder Mensch, den wir in unser Gedenken am Volkstrauertag einbinden müssen, ist ein Verlust zu viel. 

Deshalb bin ich stolz auf unsere Städtepartnerschaften mit Ashford und Fougères. Vor 80 Jahren standen sich Deutsche auf der einen sowie Engländer und Franzosen auf der anderen Seite gegenüber. Man muss es so drastisch formulieren: Sie töteten sich gegenseitig. Nur sieben Jahre nach dem Ende des verheerenden Weltkriegs fand 1952 der erste Jugendaustausch zwischen Münstereifel und Ashford statt. 1964 folgte die offizielle Verschwisterung. Für mich sind die Menschen, die damals aufeinander zugegangen sind, Vorbilder. Heute wird die Städtepartnerschaft zwischen Bad Münstereifel, Ashford und Fougères intensiv gepflegt und es sind viele Freundschaften entstanden. Genauso wichtig ist es, dass wir den Blick über unseren Kontinent hinaus gewendet haben. Seit vielen Jahren verbindet uns in Bad Münstereifel auch eine wichtige Freundschaft mit Piéla. Eine Freundschaft, die hier in Rupperath mit dem Engagement von Werner Ohlert begann.

Lassen Sie uns heute gemeinsam derer gedenken, die ihr Leben in den Weltkriegen verloren haben. Im Gedenken an diese Menschen sollten wir uns gegenseitig versprechen, dass wir alles in unserer Macht Stehende tun werden, um den Frieden zu bewahren, um unseren Kindern und Enkeln eine Welt zu hinterlassen, in der sie in Sicherheit und Harmonie leben können. Mit diesem Gedanken legen wir nun den Kranz zu Ehren der Verstorbenen nieder. 

Vielen Dank.

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