In vielen Lebensbereichen sind die Auswirkungen des Klimawandels sichtbar. Besonders betroffen von den Folgen ist die Vegetation. Im Wald haben sich die Faktoren, mit denen der Forstbetrieb arbeitet, aufgrund des Klimawandels massiv verändert. Vor allem die Fichte, das derzeit größte Sorgenkind im Stadtwald Bad Münstereifel, ist davon betroffen. Wo der Fichtenanbau früher noch großflächig möglich war, ist er heute vielerorts nicht mehr standortgemäß. Diese Flächen werden heute von klimastabilen Baumarten, beispielweise der heimischen Eiche, übernommen. Auf 27 Prozent der Fläche, die der Forstbetrieb bewirtschaftet, spielt die Eiche inzwischen eine große Rolle – Tendenz steigend.
Mäßig trockene Standorte sind insbesondere für die Traubeneiche geeignet. Die Mitarbeitenden des Forstbetriebs pflanzen diese Baumart in unterschiedlicher Weise: großflächig in Kulturen, in kleinflächigen Horsten und als Mischbaumart. Auch die Naturverjüngung – also der Aufwuchs junger Pflanzen, die den Samen der benachbarten Bäume entstammen – spielt eine Rolle. Für die Traubeneichen hat der Forstbetrieb ein Verjüngungskonzept erstellt, das auf Saatgut aus dem eigenen Wald setzt. Daraus entstehen genetisch hervorragende Pflanzen für die Zukunft.
Über frische, nasse Standorte im städtischen Wald freut sich die Slavonische Stieleiche. Sie stammt – wenn sie verfügbar ist – aus dem Kottenforst. Mit ihrer starken Pfahlwurzel durchstößt sie die Bodenbereiche mit Staunässe und erleichtert dadurch Begleitbaumarten wie Linde, Ulme, Ahorn und Hainbuche das Wachstum.
Klimawandel schneller als Produktionszeiträume
“Es wird sicher 200 Jahre dauern, bis die ältesten Eichen, die wir jetzt einpflanzen, gefällt werden”, schätzt Stefan Lott, Büroleiter des Forstbetriebs: “Die Produktionszeiträume im Waldbau erstrecken sich teilweise über Jahrhunderte. Daher können wir uns kaum auf den schnell voranschreitenden Klimawandel einstellen.” Notgedrungen sei ein schneller Waldumbau erforderlich werden. Mit Blick auf die derzeitigen Erkenntnisse zu den Standortveränderungen sei die Entscheidung, klimastabile Baumarten zu nutzen, daher zukunftsgerichtet. “„Wir stärken so unseren Stadtwald und erhöhen die Resilienz der Waldökosysteme für die nächsten Extremwetterereignisse”, bekräftigt Stefan Lott.
Dem Aufbau von Mischbeständen mit einer breit angelegten Zusammenstellung verschiedener Baumarten, die auf Grundlage der Standorte ausgewählt werden, kommt als zukunftsgerichtete und präventive Maßnahmen große Bedeutung zu. Der Forstbetrieb der Stadt Bad Münstereifel nutzt für diese Pflanzungen unter anderem verschiedene Flächen, auf denen zuvor vom Borkenkäfer befallene Bäume standen.
Mit den genannten Baumarten und deren verschiedenen Zusammensetzungen richtet sich der Forstbetrieb Bad Münstereifel nach dem Waldbaukonzept NRW und dem Wiederbewaldungskonzept NRW. Dies versetzt den Forstbetrieb in die Lage, entsprechende Fördermittel zu beantragen. Um Waldbesitzer bei der Wiederaufforstung zu unterstützen, hat das Land NRW beispielsweise die sogenannte “Richtlinie über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung von Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen extremer Wetterereignisse im Privat- und Körperschaftswald in Nordrhein-Westfalen”, kurz “FöRL Extremwetterfolgen”, erlassen. In diesem Jahr wurden die Pflanzungen des städtischen Forstbetriebs über die “FöRL Extremwetterfolgen” mit 128.280 Euro gefördert. Die Flächen wurden entsprechend mit Hinweisschilder zur Förderung versehen.