Der junge Mann hieß David Kaufmann. Am Entenmarkt in Münstereifel war er geboren. Er besuchte zuerst die Elementarschule und dann das St.-Michael-Gymnasium. Als Sechszehnjähriger verließ er 1891 mit dem Abschluss des Einjährigen (Mittlere Reife) die Schule und begann eine Berufsausbildung. Nach Ableistung des Einjährigen Militärdienstes trat er als An- und Verkäufer in eine Berliner Regenschirmfabrik ein, in deren Diensten er dann regelmäßig Städte im Deutschen Kaiserreich bereiste.
Im Alter von 27 Jahren fasste David Kaufmann den weitreichenden Entschluss, dauerhaft in die USA auswandern zu wollen. Er setzte diesen Entschluss gegen die Ratschläge seiner Familie und den Willen seines Vaters in die Tat um. Der Widerstand innerhalb der Familie Kaufmann rührte wohl auch daher, dass David Kaufmann zwar während der Schulzeit Kenntnisse in fünf Sprachen erworben hatte, jedoch nie in Englisch unterrichtet worden war. Seine ersten Vokabeln und die ersten Grundlagen der englischen Grammatik erlernte David Kaufmann an Bord des Dampfers, der ihn im Sommer 1903 von Antwerpen nach New York bringen sollte.
Sein Aufenthalt in New York sollte nur kurze Episode bleiben. 1904 lernte David Kaufmann Samuel N. Wolbach kennen, einen Unternehmer mit deutschen Wurzeln, der ihn dazu überredete, für ihn in Grand Island, Nebraska zu arbeiten.
Spiel mir das Lied vom Tod…
Vierzehn Monate nachdem David Kaufmann sich in Grand Island angesiedelt hatte, wurde dort Henry Fonda geboren. In Deutschland ist er besonders bekannt durch seine Rolle als Auftragskiller im Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod…" (US-Titel: "Once upon a Time in the West"). Wäre er in Deutschland geblieben, wäre David Kaufmann während des Dritten Reiches mit dem Tod bedroht worden: Er war Jude.
In Grand Island hatte er einen rasanten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg realisiert und es vom mäßig begabten Schaufensterdekorateur zum Millionär gebracht. Nach 1933 setzte er einen Teil seines Vermögens dafür ein, rund 80 jüdischen Familien die Emigration in die USA zu ermöglichen. Als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Welt Nachricht über den Holocaust erhielt, zeigte sich, dass David Kaufmann durch seine selbstlose Art rund 200 Menschenleben gerettet hatte.
Durch die Recherchen des Stadthistorikers Harald Bongart war man in Bad Münstereifel auf David Kaufmann aufmerksam geworden. Michael Mombaur, seinerzeit stellvertretender Direktor des Städt. St.-Michael-Gymnasiums und nunmehr Direktor der Marienschule Euskirchen, hatte dann das Projekt einer Gedenktafel angeregt.
Am Freitag, dem 13. September 2019, kam dann der große Tag: Im Rahmen des Partnerschaftstreffens der Städte Bad Münstereifel-Ashford-Fougères wurde die Gedenktafel in einem besonderen Festakt eingeweiht.
Bis es so weit war, waren jedoch etliche Arbeiten zu leisten. Zunächst einmal erstellten Michael Mombaur und Emma Prokopp den Textentwurf. Die künstlerische Gestaltung lag in den Händen der Künstlerin und Pädagogin Elke Strauch, die Kunst am St.-Michael-Gymnasium unterrichtet. Neben privaten Spendern waren es dann vor allem der Verein Alter Münstereifeler und die Bürgerstiftung der Kreissparkasse Euskirchen, die die finanziellen Mittel zur Verfügung stellten.
Emma Prokopp und Elke Strauch haben eine besondere Gedenktafel konzipiert, deren Ausführung in den Händen der Firma MKM in Stotzheim lag. Die hochwertige Tafel gibt zunächst die wichtigsten Informationen zu David Kaufmann; wer weitere Details zu seiner Biografie erfahren möchte, kann die Tafel aufklappen.
Die Abiturientin Emma Prokopp verbindet ohnehin Besonderes mit der Biografie David Kaufmanns. Ihre Großeltern kauften 1955 dessen Geburtshaus von der Familie des Bruders Andreas Kaufmann. Ihre Großmutter erzählte ihr davon und als sie in Michael Mombaurs Geschichts-AG von David Kaufmann erfuhr, beschloss sie, über diesen eine Projektarbeit zu schreiben. Hierzu recherchierte sie unter anderem im Archiv der Stadt Bad Münstereifel.
Nachdem Michael Mombaur am Freitag die Anwesenden begrüßt hatte, führte Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian in die Thematik ein. Daran schloss sich ein besonderer Musikvortrag an: Juli Bazzazi spielte auf der Violine das Thema aus Schindlers Liste. Danach schilderte Emma Prokopp den Anwesenden das Leben David Kaufmanns und würdigte seine selbstlose Hilfsbereitschaft. Michael Nücken als Vorsitzender des Vereins Alter Münstereifeler nahm das Thema auf ehe dann Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian gemeinsam mit Emma Prokopp die Gedenktafel enthüllten – begleitet vom Applaus der Gäste aus Ashford und Fougères, zu denen sich auch viele Bürgerinnen und Bürger aus Bad Münstereifel gesellt hatten.
Bei Getränken und Häppchen, gereicht von Emma Prokopps Mutter Sylvia Prokopp, der Inhaberin vom Le Petit, klang die würdige Veranstaltung aus.
Der dreisprachige Folder, der die Redebeiträge von Michael Mombaur, Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian, Emma Prokopp und Michael Nücken in Deutsch, Englisch und Französisch versammelt, liegt zur Mitnahme für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sowohl an der Infostelle im Rathaus als auch in der Städtischen Kurverwaltung (Bahnhof, Kölner Straße 13) und der Touristinfo im Schwanen-Apotheken-Museum (Werther Straße 13) aus.