Sonntag, 14. Dezember 2025, 7:54 Uhr: Es ist ein historischer Tag. Genau vier Jahre und fünf Monate, nachdem die Erfttalbahn zwischen Bad Münstereifel und Euskirchen in großen Teilen durch die Flutkatastrophe zerstört worden war, rollt der erste fahrplanmäßige Zug in den Bahnhof Bad Münstereifel ein. An der Strecke haben sich um diese Zeit zwar nur wenige Menschen versammelt. Doch etliche Beiträge in den Sozialen Medien zeigen, dass viele Menschen dieses Ereignis sehr wohl persönlich wahrgenommen haben - sei es zum Beispiel aus dem Auto heraus oder durch die Geräusche des Zuges, die sie zuhause hören. Für die Stadt ist es ein Meilenstein. Die Linie der S23 wird gerne von Gästen genutzt - gerade zur derzeitigen Weihnachtsmarkt-Saison. Pendlerinnen und Pendlern erleichtert sie den Weg zu Arbeit. Und für Hunderte Schülerinnen und Schüler sind mehr als vier Schuljahre mit anstrengendem Schienenersatzverkehr endlich vorbei. Die Kinder der Grundschulen haben bis zu diesem Tag noch nie eine Bahnfahrt zur Schule erlebt.
Zu dem besonderen Ereignis hat die Deutschen Bahn folgende Pressemitteilung veröffentlicht:
Die Deutsche Bahn (DB) hat knapp viereinhalb Jahre nach der Flutkatastrophe die wichtige Pendler‑ und Ausflugsstrecke der S 23 zwischen Euskirchen und Bad Münstereifel zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember wieder in Betrieb genommen. Bei der heutigen Pressefahrt mit einem planmäßigen Zug wurde dies von Vertretern der Deutschen Bahn, go.Rheinland und Vertreter:innen aus der Politik gewürdigt. „Die Wiederinbetriebnahme der Erfttalbahn ist ein Meilenstein für die Region. Sie ist für Pendler:innen, Anwohnende und Tourist:innen in der Region ein zentraler Bestandteil des täglichen Lebens. Die Flut 2021 hatte die Infrastruktur an vielen Stellen komplett zerstört. Wir haben die Strecke nicht nur repariert, sondern technisch auf ein neues Niveau gehoben. Wir haben nun barrierefreie Stationen und eine hochwasserresiliente Infrastruktur“, freut sich Jens Schäfer, Leiter Ausbau Knoten Köln bei der DB InfraGO.
So wurden auf rund 13 Kilometern Bahnstrecke insgesamt 9 100 Meter Schiene, 8 000 Tonnen Gleisschotter und 4 700 Schwellen verbaut. Außerdem wurden zwei Brücken wieder aufgebaut, eine Brücke saniert, 21 Bahnübergänge erneuert und eine Stützwand neu gebaut. Zu dem Projekt gehörten auch die Erneuerung von zwei Durchlässen und die Instandsetzung von 30 Durchlässen. Auch fünf Bahnstationen in Bad Münstereifel, Stotzheim, Kreuzweingarten, Arloff und Iversheim wurden modernisiert bzw. erneuert. Dieses Mammutprojekt war nur möglich, weil Behörden, Kommunen, Baufirmen und Anwohnende gemeinsam an einem Strang gezogen haben. Unser Dank gilt allen Beteiligten.
[…] Neben dem Wiederaufbau hat die DB auch schon die Elektrifizierungsarbeiten vorangetrieben, die bis Ende 2028 abgeschlossen sein sollen. So wurden von 219 erforderlichen Oberleitungsmasten bereits 212 Masten errichtet. Neben der Montage von rund 13 Kilometern Oberleitung sind noch weitere Arbeiten bis zur Fertigstellung erforderlich. Hierfür sind in den nächsten drei Jahren noch abschnittsweise weitere Sperrungen notwendig. Die Bahn wird rechtzeitig hierüber informieren.
An der offiziellen Pressefahrt mit dem planmäßigen Zug um 10.33 Uhr von Euskirchen nach Bad Münstereifel am Montag, 15. Dezember, nahm unter anderem Bürgermeister Sebastian Glatzel teil. Ebenfalls eingeladen waren Peter Lanzerath von den Stadtwerken Bad Münstereifel sowie Glatzels Amtsvorgängerin Sabine Preiser-Marian, die beide den Wiederaufbau-Prozess seitens der Stadt maßgeblich begleitet haben. In seiner Ansprache hob Glatzel die Bedeutung der 135 Jahre währenden Geschichte der Erfttalbahn für Bad Münstereifel hervor. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte die bahn negative Auswirkungen für die Stadt. Von Euskirchen aus gingen die Verbindungen nach Düren und in die Eifel in Betrieb. Das veranlasste etliche Wollwebereien und Gerbereien ihre Standorte von Münstereifel nach Euskirchen zu verlagern - mit wirtschaftlichen Folgen für Münstereifel.
1890 wurde auch die Strecke nach Münstereifel eröffnet, woraufhin eine positive Entwicklung ihren Lauf nahm. Um die Jahrhundertwende entdeckten die “Sommerfrischler” das historische Städtchen als Erholungsort, später wurden daraus Kurgäste. Den Status als Kneipp-Heilbad gewann Münstereifel auch Dank der Bahnanbindung. Viele Jahrzehnte später - 1990 - sollte die Strecke stillgelegt werden. Der Initiative “Erhaltet die Erfttalbahn” gelang es mit viel Arbeit, dieses Szenario abzuwenden. “Dass die Bahn bereits sichtbar die Elektrifizierung vorbereitet hat, stimmt mich zuversichtlich, dass wir uns um eine Stilllegung in den kommenden Jahren so schnell keine Gedanken mehr machen müssen”, so Glatzel. Das bestätigte auch Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer des Zweckverbands go.Rheinland.