Zum Start der Kirmes in Bad Münstereifel sticht der Bürgermeisterin traditioinell das erste Fass an. In diesem Jahr fiel dieser Tag auf den 2. Jahrestag der Flutkatastrophe vom 14./15. Juli 2021. In ihrer Ansprache rückte Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian das Ereignis in den Fokus. Die Feuerwehrleute der Stadt Bad Münstereifel, die an diesen und den folgendenTagen einen enormen Einsatz gezeigt hatten, hatte die Bürgermeisterin als Dank zu diesem Anlass eingeladen. Sie dankte ihnen mit kostenfreien Getränken. Hier gibt es die Ansprache der Bürgermeisterin im Wortlaut:
"Sehr geehrte Kirmesgäste, sehr geehrter Dirk Kälble, liebe Schützenschwestern und -brüder, sehr geehrter André Zimmermann, liebe Feuerwehrkameradinnen und -kameraden,
ich begrüße Sie herzlich zum Fassanstich, mit dem wir die diesjährige Kirmes eröffnen. Ich freue mich sehr darauf, dass wir diesen lauen Sommerabend gemeinsam in vertrauter Gesellschaft verbringen werden. Am dritten Juli-Wochenende feiern die Bad Münstereifeler traditionell ihre Kirmes. Vor etlichen Jahren hat man einmal versucht herauszufinden, warum die Kirmes ausgerechnet an diesen Tagen gefeiert wird. Eine eindeutige Antwort fand man nicht. Für die Einheimischen ist es dennoch eine wichtige Tradition geworden, die jedes Jahr auch von der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft begleitet wird. Daher heiße ich alle Schützenschwestern und -brüder herzlich willkommen und danke für die Unterstützung. Es ist wichtig, Traditionen beizubehalten. Sie sind Konstante im Leben und geben Halt.
In diesem Jahr fällt der Fassanstich auf ein ganz besonderes Datum. Das wissen wir alle, die wir heute hier zusammengekommen sind. Vor zwei Jahren waren hier und auf dem Klosterplatz keine Bier- und Würstchenbuden, keine Karussells, keine Süßwarenstände und keine Schieß- oder Wurfbuden aufgebaut. Vor zwei Jahren sorgte das Coronavirus dafür, dass Volksfeste und andere gemeinschaftliche Veranstaltungen kaum stattfanden. War das Virus bis dahin das bestimmende Thema, änderte sich das mit dem 14. Juli vor zwei Jahren schlagartig. Jeder von Ihnen und Euch wird ganz genau wissen, wo und wie sie oder er diesen Tag und diese Nacht verbracht hat. Wir wurden von einer Katastrophe überrollt und die Erinnerungen daran sind schmerzhaft.
Deshalb finde ich es richtig, dass wir heute nicht alleine, sondern hier beisammen sind, uns gemeinsam erinnern und miteinander reden. Dass wir die Gemeinschaft erleben, die wir schon nach der Flut so stark erlebt haben – sowohl untereinander als auch mit den unzähligen helfenden Händen aus allen Richtungen. Jeden Abend haben wir, Einheimische und Helfer, fast an der gleichen Stelle wie jetzt gestanden – direkt gegenüber vor dem Puma-Store und der Verwaltung des City-Outlets. Wir haben gemeinsam das ein oder andere Bier getrunken – an dieser Stelle dafür noch einmal einen Dank an das City-Outlet – und uns das Erlebte von der Seele geredet. Es flossen etliche Tränen, doch – und das ist ganz wichtig – wir haben auch gemeinsam gelacht. Das hat uns ein gutes Stück befreit, Mut gemacht und Optimismus geschenkt. Ich bin stolz darauf, was wir aus diesem Mut und Optimismus geschaffen haben. Keine Frage, es gibt noch viel zu tun im Wiederaufbau. Aber wir dürfen uns heute darüber freuen, was wir zusammen alles auf die Beine gestellt haben.
Sicher wird heute auch die ein oder andere Träne fließen, was an einem solchen Abend dazu gehört. Und wir denken heute Abend auch an die Menschen, die immer noch sehr unter der Flutkatastrophe leiden. Sie gehören ebenso in die Mitte unserer Gemeinschaft. Auch diejenigen, die heute Abend nicht hier sind: Wir lassen sie nicht allein. Ebenso denken wir an die Verstorbenen, die vor zwei Jahren ihr Leben verloren haben. Ihnen werden wir auch morgen gedenken, wenn in der Wertherstraße die neue Freitreppe hinab zur Erft offiziell freigegeben und eingesegnet wird. In die Treppe sind Steine aus dem ehemaligen Straßenpflaster eingelassen, die der Künstler Joachim Rieger mit Fotos aus der Flut bedruckt hat. Somit dient uns diese besondere Treppe auch als Ort des Erinnerns. Ich lade Sie herzlich dazu ein, morgen um 11 Uhr dabei zu sein.
Es gibt sehr viele Menschen, die in der Katastrophe angepackt und uns beigestanden haben. Normalerweise hebe ich ungerne jemanden hervor, weil alle einen wichtigen Beitrag geleistet haben. Heute aber ist es mir ein großes Bedürfnis, die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Bad Münstereifel in den Mittelpunkt zu stellen. Das heute ist Ihr Abend! Am 14. und 15. Juli 2021 sind Sie ganz besonders über sich hinaus gewachsen. Einige von Ihnen waren vor zwei Jahren zur jetzigen Uhrzeit schon seit rund vier Stunden im Einsatz. Seit rund einer Stunde – genau genommen seit 16.54 Uhr – waren alle Löschgruppen der Stadt Bad Münstereifel alarmiert und im Einsatz. Und obwohl viele von Ihnen privat betroffen waren, haben Sie bis zur Erschöpfung pausenlos Einsätze bewältigt. Leider haben Sie in dieser Nacht das erlebt, was für Feuerwehrfrauen und -männer das Schlimmste ist: Sie waren oft machtlos und konnten nicht immer helfen. Zu heftig waren die Wassermassen.
Stellvertretend für alle Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt drücke ich Ihnen zutiefst meinen Dank aus für Ihre tagtägliche Bereitschaft, sich zum Wohle jedes Einzelnen in Gefahr zu begeben. Ebenso danke ich Ihren Familien, die Ihr unermüdliches Engagement mittragen und unterstützen. Besonders aber danke ich Ihnen für Ihren Einsatz, den Sie bei der Flutkatastrophe geleistet haben. Genau genommen ist mein Dank Ihnen gegenüber gar nicht richtig in Worte zu fassen. Deshalb habe ich Sie heute dazu eingeladen, diesen Abend untereinander und mit uns zusammen zu verbringen. Und damit Sie nicht länger mit trockenen Kehlen da sitzen müssen, werde ich nun das erste Fass anstechen."