Der heimische Edelkrebs (Astacus astacus) war ursprünglich auch im Kreis Euskirchen in vielen Gewässern zu finden. Heute gilt diese Flusskrebsart in ganz Deutschland als vom Aussterben bedroht. Der Hauptgrund für diesen extremen Rückgang ist die Einführung von amerikanischen Flusskrebsen, die sich auch im Kreis Euskirchen stark ausbreiten. Diese Arten sind den heimischen Flusskrebsen unter anderem durch schnelles Wachstum, stärkere Vermehrung und höhere Aggressivität „biologisch“ überlegen und können zusätzlich noch die „Krebspest“ übertragen, eine für die heimischen Arten tödliche Flusskrebsseuche.
Der Edelkrebsschutz hat im Kreis Euskirchen schon länger Tradition. So wurden im Rahmen des Projektes Ahr 2000 in zwei Nebengewässern der Ahr Edelkrebse angesiedelt.
Ein weiteres Schutzprojekt für den Edelkrebs hat der Kreis Euskirchen zusammen mit der Stadt Bad Münstereifel und dem Edelkrebsprojekt NRW in diesem Jahr begonnen. Die beiden Seen der Grube Toni sind abgeschlossene Gewässer in einem Naturschutzgebiet und würden für den Edelkrebs Lebensraum bieten. Leider sind dort schon Galizische Sumpfkrebse – eine osteuropäische Flusskrebsart – ausgesetzt worden. Im Rahmen des Pilotprojektes soll nun versucht werden, diese nicht heimische Art gegen den Edelkrebs „auszutauschen“. Dazu werden junge Edelkrebse ausgesetzt und gleichzeitig Sumpfkrebse entnommen.
Aber auch ein Miteinander dieser beiden Krebsarten ist denkbar. „Bei solchen Versuchen können wir aktuell nur auf alte Literatur zurückgreifen. Es ist daher überprüfenswert, ob sich unsere Krebse so verhalten, wie dort beschrieben, oder vielleicht sogar eine Koexistenz mit den Galizischen Sumpfkrebsen eingehen“, so Dr. Harald Groß, Leiter des Edelkrebsprojektes NRW und Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Euskirchen.
Die Stadt Bad Münstereifel, als Eigentümerin der Gewässer an der Grube Toni, freut sich über die Initiative. „Für Bad Münstereifel ist das ein Pilotprojekt, wir alle sind auf das Ergebnis sehr gespannt“, sagt Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian indem sie Dr. Groß beim Einsetzen der Edelkrebse unterstützt.
Auch der Förderverein Naturschutzstation Bad Münstereifel e.V., der unter anderem die Ferienaktionen für Schülerinnen und Schüler anbietet, ist von dem Projekt angetan, da der Ostweiher der Naturschutzstation hierdurch um eine Attraktion reicher ist.
„Es ist schön, wenn so viele Akteure eingebunden sind und auch bei einem neuen Ansatz mit ungewissem Ausgang an einem Strang ziehen“ resümiert Achim Blindert, der Geschäftsbereichsleiter der Abteilung Umwelt und Planung des Kreises Euskirchen.