Es wirkt zunächst paradox: Ein Soldat opfert im Feindesland sein Leben, um das Leben dortiger Einwohner zu schützen. Eine solche Heldentat hat am 17. August 1943 das Dorf Esch vor einer Katastrophe bewahrt. An diesem Tag war ein Geschwader der United States Army Air Forces im britischen Ridgewell in Richtung Deutschland gestartet. Ziel der Flugzeuge war die Kugellagerindustrie in Schweinfurt. Dabei geriet das Geschwader unter Beschuss der deutschen Flugabwehr. Eine Boeing B-17 Flying Fortress (dt. Fliegende Festung) wurde dabei so stark beschädigt, dass ein Absturz unausweichlich war. Die Crew an Board musste innerhalb kürzester Zeit schwerwiegende Entscheidungen fällen. Die noch an Bord vorhandenen Bomben wurden letztlich über dem Wald 500 Meter nordöstlich von Esch abgeworfen. Neun der zehn Crew-Mitglieder retteten sich mit ihren Fallschirmen. Der Pilot Jack B. Painter, gerade einmal 26 Jahre alt, entschied sich, die schwer beschädigte Maschine hinter das Dorf Esch zu lenken, wo sie nahe der Straße in Richtung Hardtbrücke zerschellte. Dabei starb er. Jack B. Painter hat sein Leben für Männer, Frauen und Kinder geopfert, die er nicht kannte.
Die meisten der Crew-Mitglieder gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft. Zwei Besatzungsmitgliedern allerdings, Copilot Leutnant Robert E. Nelson und Sergeant Raymond A. Genz, gelang die Flucht. Sie erreichten nach etwa zwölf Tagen Flucht durch die Eifel Luxemburg, wo sie Kontakt zu luxemburgisch-französischen Untergrundzellen knüpfen konnten. Über Longvy, Paris, Clermont, Toulouse und Lourdes flüchteten sie nach Barcelona und schließlich über Madrid nach Gibraltar. Von dort wurden sie nach Großbritannien geflogen, wo sie im November 1943 eintrafen. Dies war nach heutigem Forschungsstand die erste erfolgreiche Flucht US-amerikanischer Soldaten aus deutschem Gebiet. Nelson und Grenz wurden dafür mit dem "Silver Star" ausgezeichnet und nach Washington D.C. beordert, um über ihre Erfahrungen zu berichten. Aufgrund dessen ist dieser Vorfall auch so detailliert dokumentiert. Pilot Jack B. Painter wurde zwei Tage nach seinem Tod zunächst auf dem Ehrenfriedhof in Münstereifel beigesetzt. Anfang 1949 erfolgte die Umbettung von Painters Leichnam auf das Zachary Taylor National Cemetery in Louisville, Jefferson County, Kentucky.
Edgar Fass und Norbert Liebing erforschten die Geschehnisse
Dass dieses Ereignis rund um den Absturz der B-17 bei Esch so detailliert erforscht ist, ist Edgar Fass zu verdanken. Er hat zahlreiche schriftliche Quellen und Zeugenaussagen ausgewertet und konnte so die Ereignisse des 17. August 1943 rekonstruieren. "Ich finde es wichtig, dass solche Ereignisse aufgearbeitet werden und nicht in Vergessenheit geraten. Das Gedenken daran sollte aufrechterhalten werden", sagt Edgar Fass. Unterstützung erhielt er bei seinen Recherchen von Norbert Liebing. Vor allem im Hinblick auf die Festlegung der Absturzstelle und den topografischen Beleg für den Notabwurf der Bomben konnte er zu den Forschungen beitragen. Einer der Zeitzeugen, der Edgar Fass' Forschungen mit seinen Beobachtungen ergänzen konnte, ist der 90-jährige Hubert Ginster: Der damals Siebenjährige war mit seiner Mutter bei Feldarbeiten auf der gegenüberliegenden Straßenseite beschäftigt, als die beschädigte Maschine näher kam. Einen Angriff fürchtend, warfen beide sich auf den Boden, und erlebten den Absturz aus etwa 70 Metern Entfernung mit. Ein Teil aus der B-17 wird als Erinnerung an die Heldentat bis heute in Esch in Ehren gehalten. Damals nahm der Großvater von Klaus Burggraf ein Paddel aus dem Wrack an sich. Das besitzt Klaus Burggraf heute noch.
Die Ereignisse vom 17. Augst 1943 sollen künftig direkt vor Ort sichtbar werden. Auf Initiative von Edgar Fass hat der Stadtrat im Mai beschlossen, nahe der Absturzstelle eine Gedenktafel aufzustellen. "Mit seinem selbstlosen Verhalten hat Jack B. Painter Esch vor einer Katastrophe bewahrt. Ihm ist vermutlich bewusst gewesen, dass er seinem Leben durch diese Tat mit gerade einmal 26 Jahren ein Ende setzen wird. Der Dank, der ihm auf ewig gebührt, ist in Worte kaum zu fassen", sagt Wolfgang Greuel, Erster Beigeordneter der Stadt Bad Münstereifel.
Seine Forschungsarbeit und das Interview mit Zeitzeuge Hubert Ginster hat Edgar Fass in einem Vido verarbeitet: