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Borkenkäfer, Windwurf und Klimawandel...

... so reagiert der Forstbetrieb der Stadt Bad Münstereifel: große Pflanzaktion mit klimastabilen Baumarten.

das Bild zeigt die Pflanzung von Bäumen im Wald

Pflanzaktion 2019 im Stadtwald Bad Münstereifel: Flächenpflanzung

Das Bild zeigt eine fertig gepflanzte Fläche im Wald

Fertig bepflanzte Fläche im Wald

Die Windwürfe des Sturms Eberhard vom 10. März 2019 und der Folgestürme sind im Stadtwald gerade weitestgehend aufgearbeitet, die Flächen geräumt und das Holz verkauft. Was nun mit den waldfreien Flächen?

Der Forstbetrieb hat seine Planungen auf Grund der besonderen Situation kurzfristig umgestellt, Pflanzen nachgeordert und die Standorte überprüft. 

Das Frühjahr ist wie im Garten, so auch im Wald: Pflanzzeit.

Vor allem auf staunassen Standorten wie z. B. dem „Faulen Feld“, hatten die Fichten zwar über Jahrzehnte Glück gehabt, konnten aber keine stabilen Wurzeln ausbilden und fielen in Folge der jüngsten Stürme großflächig um. Auf trockenen Standorten hingegen, wie z. B. dem „Dürren Kopf“, stehen zum Teil immer noch die im Dürresommer 2018 vom Borkenkäfer befallenen und abgestorbenen Fichten.

Zu großflächig sind die Schäden, dass man ihnen kurzfristig Herr werden könnte. Durch die offenen Schlagfronten entstehen ungeschützte Prall-Sonnenlagen, wo Folgeschäden zu erwarten sind. 

Mit dem Klimawandel haben sich die Standortfaktoren stark verschoben. Diese Standortdrift betrifft die Fichte, das derzeit größte Sorgenkind im Stadtwald Bad Münstereifel, am stärksten. Wo der Fichtenanbau früher noch prägend möglich war, ist ihr Anbau heute im Wald vielerorts nicht mehr standortgemäß.

Klimastabile Baumarten wie z. B. die heimische Eiche übernehmen diese Flächen. Die Eiche spielt im Forstbetrieb der Stadt Bad Münstereifel auf 27% ihrer Betriebsfläche schon jetzt eine große Rolle. Tendenz steigend.

Die Traubeneiche wird daher auf mäßig trockenen Standorten großflächig in Kulturen, in kleinflächigen Horsten sowie als Mischbaumart gepflanzt und natürlich verjüngt. Ein eigenes Traubeneichen-Verjüngungskonzept mit herkunftseigenem Saatgut bildet die Grundlage für genetisch hervorragende Pflanzen für die Zukunft.

Eine Sonderherkunft aus dem Kottenforst, die Slavonische Stieleiche, wird neuerdings vor allem auf frischen, vernässten Standorten gepflanzt, da sie mit ihrer starken Pfahlwurzel die staunassen Bodenbereiche durchstößt und so weiteren Begleitbaumarten wie z. B. Linden und Ulmen das Wachstum erleichtert. Aktuell wird die Slavonische Stieleiche auf Flächen gepflanzt, auf denen die Fichten großflächig durch den Orkansturm umgefallen sind.

Der Klimawandel verläuft schneller als wir uns im Waldbau mit den zum Teil Jahrhunderte währenden Produktionszeiträumen darauf einstellen könnten.

Notgedrungen wird ein deutlicher Waldumbau erforderlich werden. Auf standortkundlicher Grundlage ist die Entscheidung mit klimastabilen Baumarten daher zukunftsgerichtet. Wir stärken so unseren Stadtwald und erhöhen die Resilienz der Waldökosysteme bei Folgestürmen etc..

Dem Aufbau von Mischbeständen auf standortkundlicher Grundlage mit einem breit angelegten Baumarten-Portfolio kommt als zukunftsgerichtete und präventive Maßnahmen große Bedeutung zu.

Auf dem „Dürren Kopf“ z. B. wird die Fichte durch Esskastanien, Elsbeeren und Traubeneichen ersetzt. Weitere klimastabile Laubbaumarten, die derzeit in den Stadtwald gepflanzt werden, sind Ahorne, Erlen, Roteichen, Baumhasel und Tulpenbaum. Der als „Yellow Tulip“ bekannte Tulpenbaum ist aktuell ein begehrter Exportschlager in der Holzverarbeitung.

Jeder Hobbygärtner weiß, auch im Garten kommt es auf den Standort an, um bestmögliche Erträge zu erzielen. Im Stadtwald hat die Zukunft daher bereits begonnen.

In der Frühjahrs-Pflanzaktion 2019 ging es ausschließlich um ehemalige Fichtenbestände, die nach Ihrer Zerstörung durch Borkenkäfer und Windwurf nun wieder aufgeforstet wurden.

Hierbei werden u. a. zwei Aspekte des Waldbaukonzeptes beachtet: Zum einen müssen die vorhandenen labilen Fichtenbestände klimastabil ergänzt werden und zwar aus ökonomischer Sicht, um den Nadelbaumanteil im Betrieb zu erhalten. Dabei wird die willkommene Fichtennaturverjüngung, standortabhängig und bestandsbezogen mit Douglasien, Hemlock-, Küsten- oder Weißtannen ergänzt, sowie Versuche mit Libanonzeder, Mammut- und Lebensbaum gemacht. Kiefern und Lärchen zählen zu weiteren willkommenen Mischbaumarten ebenso wie sämtliche Pioniergehölze wie Birken und Weiden.

Zum anderen ist das Nadelholz auch für den Klimaschutz wichtig, Fichten und Douglasien nehmen in dem aktuellen Klimabericht des Stadtwaldes Bad Münstereifel eine große Klimaschutzleistung ein. Durch ihre hohen Zuwächse und dem hohen Anteil stofflich genutzten Holzes zu Produkten mit hoher Lebensdauer schneiden Fichte und Douglasie in ihrer Klimaschutzleistung überproportional gut ab. So wird im Stadtwald auf 36% der Holzbodenfläche durch die Baumartengruppe Fichte 53% der Klimaschutzleistung erreicht. Die Klimaschutzleistung entspricht damit ca. 7.200 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente. Bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 11,4 Tonnen (2015) bindet diese Baumartengruppe damit die Emissionen von 632 Personen.

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