Bad Münstereifel hat zwei Stolpersteine neu verlegt, die durch die Flutkatastrophe mitgerissen worden waren. Mit der Gedenkfeier erinnerte die Stadt an Lena Levy und Sibilla Wolff, zwei Frauen jüdischer Herkunft, die während der NS-Zeit Opfer der systematischen Verfolgung wurden. Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian betonte in ihrer Ansprache die Bedeutung des Gedenkens: „Mit der Verlegung der Stolpersteine setzen wir ein Zeichen – gegen das Vergessen und für eine aktive Erinnerungskultur zur Stärkung unserer Demokratie.“ Sie erinnerte daran, dass Ausgrenzung, Hetze und die Diskreditierung staatlicher Institutionen damals wie heute gefährliche Mechanismen seien. Deshalb sei es Aufgabe aller, Haltung zu zeigen und aktiv gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung einzutreten.
Lena Levy, geboren 1867 in Aach bei Trier, wurde am 27. September 1942 im Ghetto Theresienstadt ermordet. Ihre Verwandte Sibilla Wolff, Jahrgang 1871 und Ehefrau des aus Münstereifel stammenden Bernhard Wolff, wurde wenige Tage zuvor, am 19. September 1942, im Vernichtungslager Maly Trostinez bei Minsk getötet. Sie stehen stellvertretend für die insgesamt 37 ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Anna Rosemann, neue Archivarin der Stadt, trug Passagen aus den Erinnerungen von Leonie und Walter Frankenstein vor, einem jüdischen Ehepaar, das mit seinen beiden Kindern während der NS-Zeit in Berlin im Untergrund überlebte. Walter Frankenstein, der im April dieses Jahres im Alter von 100 Jahren verstarb, warnte zeitlebens vor Antisemitismus, Fanatismus und dem Erstarken extremistischer Strömungen. Mit ihren Erinnerungen wollten die Frankensteins vor allem jüngere Generationen ermutigen, Haltung zu zeigen und Widerstand gegen menschenfeindliche Ideologien zu leisten.
„Die Stolpersteine sind zu wichtig, um sie den Fluten zu überlassen“, so die Bürgermeisterin. Ihre Wiederverlegung habe deshalb nicht nur eine symbolische Bedeutung, sondern sei auch ein klares Bekenntnis Bad Münstereifels gegen Menschenfeindlichkeit und das Erstarken rechten Gedankenguts. Den Worten der Bürgermeisterin folgten am Entenmarkt viele Zuhörerinnen und Zuhörer. Besonders erfreulich war die Anwesenheit von drei Schulklassen der Jahrgangsstufen 9 und 10 des St. Michael-Gymnasiums. Nachdem sie von der Verlegung der Stolpersteine erfahren hatten, entschlossen sie sich mit ihren Lehrerinnen Johanna Bauer und Alisa Heimermann sowie Lehrer Thorsten Krause kurzfristig dazu, daran teilzunehmen.
Zum Abschluss dankte die Bürgermeisterin den zahlreichen Beteiligten für ihr Engagement bei der Aufarbeitung und Umsetzung der Stolpersteinverlegung. Besonders hob sie die Arbeit des Bad Münstereifeler Bürgers Michael Meyer, Historiker Harald Bongart sowie Archivarin Anna Rosemann hervor. Mit der Wiederverlegung sind die Stolpersteine von Lena Levy und Sibilla Wolff nun wieder sichtbar im Stadtbild präsent – als Mahnung und als bleibendes Zeichen für Erinnerung und Verantwortung.