Bad Münstereifel



280 m über NN 
4.097 Einwohner (Stand: 31.12.2017)
Pfarrkirche St. Chrysanthus und Daria (Festtag: 25. Oktober)

Münstereifel entwickelte sich aus einem um 830 gegründeten Tochterkloster der Abtei Prüm. Im Zusammenhang mit dieser Siedlung ist wohl auch die Alte Burg im Quecken, eine Fliehburg aus der Karolingerzeit zu sehen.

844 wurden die Reliquien des römischen Märtyrerehepaares St. Chrysanthus und Daria nach Münstereifel überführt, wodurch das Kloster Wallfahrtsort wurde.


Vor den Klostertoren entwickelte sich ein Naturalsammelmarkt, der 898 durch den König Zwentibold bestätigt wurde.Gleichzeitig verlieh er dem Kloster neben dem Marktrecht auch das Zollrecht und das Münzrecht. Von letzterem machte das Kloster aber wohl nie Gebrauch.

 Zwentiboldbrunnen am Markt in Bad Münstereifel
Zwentiboldbrunnen
Bild:foto-huerten.de

Im 12. Jahrhundert wurde das Kloster in ein Stift umgewandelt. Auf der anderen Seite des Marktes entstand eine weltliche Ansiedlung, die 1112 als villa (Dorf), 1197 als regium forum (königlicher Markt) und villa, 1299 jedoch als oppidum im Sinne von Stadt bezeichnet wird. Als Lehen des Abtes von Prüm trugen die Grafen von Are die Vogteirechte über Münstereifel. Aus diesen Vogteirechten gliederten sie 1197 die Marktgerichtsbarkeit aus, die sie dem 1171 erstmals erwähnten Münstereifeler Schöffenkolleg übertrugen. Aus diesem Schöffenkolleg entwickelte sich später der Stadtrat, der zunächst um zwei Ratsverwandte erweitert wurde;

am 10. November 1454 schließlich erhielt Münstereifel durch den Herzog von Jülich eine Ratsverfassung. Nunmehr bildeten sieben Schöffen und sieben Ratsfreunde den Stadtrat, der durch Kooptation ergänzt wurde. Aus diesem vierzehnköpfigen Gremium wurde einmal jährlich am Festtag Cosmas und Damian (27. September) der neue Bürgermeister gewählt, der sein Amt am Sonntag vor dem Martinstag antrat. Die Vogteirechte über Münstereifel trugen dazu bei, dass der Graf von Are-Hochstaden Münstereifel dem Abt von Prüm entfremdete.

1246 verzichtete der Abt im Zuge der Hochstadenschen Schenkung auf sein Eigentum an Münstereifel. Aber auch der Erzbischof von Köln, der eigentlich der Nutznießer dieses Vertrages sein sollte, konnte seinen Anspruch auf Münstereifel nicht durchsetzen. Münstereifel fiel an den Herrn von Jülich-Bergheim, der mit einer Nichte des Erzbischofs und des letzten Grafen von Are-Hochstaden verheiratet war. Nachdem diese Linie ausgestorben war, fiel Münstereifel an die Grafen und späteren Herzöge von Jülich. Im Herzogtum Jülich war Münstereifel Mithauptstadt neben Jülich, Düren und Euskirchen. Es war der Hauptort des südlichsten der 43 Ämter des Herzogtums mit Sitz eines Amtmannes, eines Vogtes, eines Gerichts und einer Kellnerei (dem Finanzamt vergleichbar).

Wirtschaftlich waren die Zünfte der Wollweber, der Schneider und Tuchscherer sowie der Schuster und Gerber bedeutend. Ebenso war Münstereifel eine Stadt der Bierbrauer. Überregional bedeutend war der Markt in der Zeit von 1300 bis 1600, in der er Anschluss an den Fernhandel hatte. Vier Jahrmärkte genannte Messen wurden ausgerichtet und dienten dem Fernhandel, während der Wochenmarkt der Nahversorgung diente.

Nach dem Zusammenbruch des Münstereifeler Marktes um 1600 und dem zeitweisen Zuzug von Protestanten wurde die Stadt durch die gezielte Ansiedlung von katholischen Reformorden zu einer Stadt der Gegenreformation umgebaut.

1618 siedelten sich die Kapuziner in Münstereifel an, 1625 kamen die Jesuiten und 1657 die Karmelitessen. Die Ordensansiedlungen sollten gleichzeitig auch die Wirtschaft der Stadt stärken. Deshalb gründeten die Kapuziner eine Tuchmanufaktur und die Jesuiten eröffneten das St. Michael-Gymnasium.

Auch nach der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 führten die ehemaligen Patres den Schulbetrieb fort.

Mit dem Einmarsch der Französischen Revolutionstruppen ins Rheinland 1794 änderte sich für Münstereifel die Situation erheblich. Hauptstadtstatus und Amtsstatus gingen mitsamt allen Behörden und ähnlichen Einrichtungen verloren. Durch die neue Verwaltungseinteilung wurden frühere Stadtteile von Münstereifel abgetrennt.

Die Stadt selbst erhielt den Status einer Mairie im Kanton Rheinbach, Arrondissement Bonn, Departement Rhein-Mosel.

Als das Rheinland 1815 an Preußen fiel, blieb Münstereifel im Kreis Rheinbach; Bemühungen, wieder Gerichtssitz zu werden, scheiterten. Da die Münstereifeler selbst ihren Blick lieber rückwärts richteten und versuchten, an alte Traditionen wieder anzuknüpfen, wurde der Anschluss an die Neuzeit verpasst. Weil ebenfalls die verkehrstechnische Erschließung fehlte, verarmte die Stadt während des 19. Jahrhunderts. Diese Verarmung hatte jedoch den Nebeneffekt, dass das Stadtbild erhalten blieb.

Ab 1881 bemühte man sich gezielt um Erhalt und Pflege des Stadtbildes, um Touristen zu werben. So kam 1890 der Anschluss an das Eisenbahnnetz durch die Stichstrecke Euskirchen-Münstereifel gerade rechtzeitig, um den Aufstieg zum Fremdenverkehrsort zu fördern.

1926 wurde die Erfahrung, die man mit dem Tourismus gesammelt hatte, gewinnbringend in die Wagschale geworfen, als der Kneipp-Bund ein neues Zentrum für die Kneipp-Idee in Westdeutschland suchte. Münstereifel wurde Kneipp-Heilbad.

Wenn auch die Entwicklung durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen wurde, so erfolgte doch 1956 die Anerkennung durch den Kneipp-Bäderbund, 1967 die Bad-Verleihung und 1974 die Anerkennung als Staatliches Kneipp-Heilbad.

Seit den 1990er Jahren jedoch ist die Kneipp-Kur in Bad Münstereifel in einer Umbruchphase, deren Ergebnis noch nicht abzusehen ist.

1969 wurde im Rahmen der Kommunalen Neugliederung die neue Stadt Bad Münstereifel geschaffen. Sie umfasst 13 ehemals selbständige Gemeinden mit mehr als 50 Wohnplätzen. Das Gesamtstadtgebiet beträgt 151 qkm.